Das Evangelium der Wahrheit (NHC I,3) VI

Die Offenbarung einigt

Der Vater offenbart seine Brust. Seine Brust aber ist der Heilige Geist. Er offenbart, was verborgen ist an ihm – was verborgen ist an ihm, ist sein Sohn – , so dass durch die Erbarmungen des Vaters die Äonen ihn erkennen und aufhören, sich abzumühen in der Suche nach dem Vater, indem sie in ihm ruhen und wissen, dass dieser die Ruhe ist.

Nachdem er den Mangel auffüllte, hat er die Gestalt des Irrtums aufgelöst. Dessen Gestalt ist die Welt, in der er Knecht war. Denn der Ort, wo Neid und Streit ist, ist im Mangel. Aber der Ort, wo Einheit ist, ist vollkommen. Da der Mangel entstanden ist, weil der Vater nicht bekannt war, deswegen wird, wenn der Vater bekannt ist, von diesem Zeitpunkt an der Mangel nicht länger existieren. Wie jemandes Unwissenheit, wenn er gekommen ist zur Erkenntnis, sich selbst auflöst, nämlich seine Unwissenheit, wie die Dunkelheit sich auflöst, wenn das Licht erscheint, so löst sich auch der Mangel auf in Vollkommenheit. So ist von diesem Augenblick an die Gestalt nicht mehr offenbar, sondern wird sich auflösen in der Verbindung mit der Einheit, denn nun sind ihre Werke niedergelegt, wobei sie gleich sind, zu der Zeit, in der die Einheit der Wege vollkommen wird. In der Einheit wird jeder einzelne sich selbst empfangen; im Wissen wird er sich selbst retten von der Vielheit in die Einheit, indem er die Materie in sich selbst – einer Flamme gleich – verzehrt, und wie die Finsternis durch Licht, der Tod durch Leben verzehrt wird.

Wenn nun diese Dinge geschehen sind einem jeden von uns, dann müssen wir vor allem darauf achten, dass das Haus (= die „Kirche“?) heilig sei und ruhig für die Einheit. Es gleicht Menschen, die aus Orten ausgezogen sind, wobei sie Gefäße hatten, die an einigen Stellen nicht gut waren. Wenn sie sie zerbrechen würden, würde der Hausherr keinen Schaden leiden. Vielmehr freut er sich, denn anstelle der schlechten Gefäße gibt es volle Gefäße, die zur Vollkommenheit gelangen. Denn dies ist das Gericht, welches gekommen ist von oben. Es hat jeden gerichtet; es ist ein gezücktes Schwert, mit zwei Schneiden, das nach dieser und jener Seite haut. Als das Wort erschien, das im Herzen derer ist, die es aussprechen – es ist nicht allein ein Laut, sondern es wurde ein Körper – , entstand eine große Verwirrung unter den Gefäßen, denn einige wurden entleert, andere gefüllt. Denn siehe – einige sind versorgt worden, andere sind ausgegossen worden, einige sind gereinigt worden, während andere zerbrochen wurden. Alle Wege wurden erschüttert und verwirrt, denn sie hatten weder Festigkeit noch Bestand. Der Irrtum war verwirrt, weil er nicht wusste, was er tun sollte. Er war betrübt, in Wehklagen sich selbst quälend, weil er nichts wusste.

Als das Wissen sich ihm genähert hatte – dies ist die Vernichtung des Irrtums und aller seiner Emanationen – , ist der Irrtum leer geworden, so dass er nichts mehr in sich hat.

Die Wahrheit kam in die Mitte (=wurde offenbar); und alle ihre Emanationen erkannten sie. Sie begrüßten den Vater in Wahrheit mit einer vollkommenen Kraft, die sie mit dem Vater vereinigte. Denn wie in bezug auf jeden, der die Wahrheit liebt – die Wahrheit ist nämlich der Mund des Vaters; seine Zunge ist der Heilige Geist – , wird der, der verbunden ist mit der Wahrheit, verbunden mit dem Mund des Vaters durch seine Zunge, wann immer er den Heiligen Geist empfängt, weil dies das Offenbarwerden des Vaters ist und seine Enthüllung zu seinen Äonen.

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