Das Evangelium der Wahrheit (NHC I,3) II

Die Hervorbringung und Rolle des Irrtums

Denn als das All nach dem suchte, aus dem es gekommen war - und das All war in ihm, dem Unbegreifbaren, Undenkbaren, der über jedes Denken erhaben ist -, hat die Unwissenheit über den Vater Angst und Schrecken erzeugt. Und die Angst hat sich verdichtet wie ein Nebel, so dass niemand sehen konnte. Deswegen wurde der Irrtum stark. Er arbeitete an seiner Materie im Leeren (= ohne Erfolg), weil er die Wahrheit nicht kannte. Er war beschäftigt mit einem Gebilde, während er sich mit Kraft und Schönheit bemühte, den Ersatz für die Wahrheit zu bereiten.

Dies war keine Erniedrigung für ihn, den Unbegreifbaren, Undenkbaren, denn sie waren nichts, die Angst und das Vergessen und das Gebilde der Lüge, während die feststehende Wahrheit unveränderlich ist, unerschütterlich ist, etwas vollkommen Schönes ist. Verachtet deswegen den Irrtum! Auf diese Weise hat er keine Wurzel; er entstand in einem Nebel hinsichtlich des Vaters, während er dabei war, Werke und Vergessenheiten und Schrecken zu bereiten, damit er durch
diese die (in) der Mitte (Befindlichen) herunterziehe und sie gefangennehme.

Das Vergessen des Irrtums war nicht offenbar. Es ist nicht ein [...] durch den Vater. Das Vergessen ist nicht entstanden bei dem Vater, obwohl es seinetwegen entstanden ist. Was dagegen in ihm entsteht, ist das Wissen, das offenbar wurde, damit das Vergessen aufgelöst und der Vater erkannt werde. Da das Vergessen enstand, weil man den Vater nicht kannte, wird dann, wenn der Vater erkannt wird, von diesem Augenblick an das Vergessen nicht mehr existieren.

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Kommentare: 3
  • #1

    Clemens (Donnerstag, 06 Juni 2019 19:26)

    "Das Vergessen ist nicht entstanden bei dem Vater, obwohl es seinetwegen entstanden ist."

    Das Licht aus einer anderen Welt, einer schatten- und fleckenlosen Welt, erzeugt in Trennungswelten, wo alles ein gesondertes Gegenteil hat, zwangsläufig Schatten. Er entsteht "wegen" dem Licht, aber nicht "bei" dem Licht.

    Das sind herrliche Formulierungen, oder?

  • #2

    Jonas (Freitag, 07 Juni 2019 08:09)

    "Da das Vergessen entstand, weil man den Vater nicht kannte, wird dann, wenn der Vater erkannt wird, von diesem Augenblick an das Vergessen nicht mehr existieren."

    Das könnte man auch so auffassen, dass - nachdem wir den "Vater erkannt" haben - die Schleier des Todes dauerhaft aufgehoben werden und wir uns an unsere Vorinkarnationen in weiterer Folge erinnern können.

  • #3

    Ruth Gabriel (Freitag, 07 Juni 2019 12:21)

    "Auf diese Weise hat er keine Wurzel;..."
    Der Irrtum, entstanden aus einem verdichteten Nebel aus Angst und Schrecken hinsichtlich des Vaters und nicht durch den Vater (siehe Kommentar 1) hat deshalb auch keine Wurzel, keine nährende Verbindung.