Probleme (nacherzählt von Clemens)

Einst weilte der Erhabene am Goldblumen-Schrein, als ein Bauer zu ihm vorgelassen zu werden begehrte. Der Vollendete winkte seinen Schülern und sie ließen ihn zu ihm treten.

 

Der Mann berichtete dem Lichtvollen von seinen vielfältigen Schwierigkeiten. Die Umstände seiner Arbeit bereiteten ihm hier und da Sorgen. Seine Produkte ließen sich schlecht verkaufen. Seine Frau liebte er zwar, aber sie hatte doch die eine oder andere Unzulänglichkeit. Die Kinder erfüllten nicht alle seine Erwartungen und Hoffnungen. Und mit den Nachbarn ließ sich auch nicht immer in Frieden auskommen. Kurz, er verlangte vom Weisen der Weisen, dass er ihm bei seinen Problemen helfe.

 

"Ich kann dir nicht helfen", entgegnete der aller Sorgen Enthobene bedauernd.

 

"Wie bitte?" fragte der Bauer. "Du wirst als großer Lehrer der Menschen verehrt, und schon bei meinen geringfügigen Problemen versagt deine Kunst? Was soll deine Lehre dann nützen?"

 

Nun nickte der der Welt Entsagende: "Bei den achtundneunzig Problemen, von denen du mich wissen ließest, kann meine Lehre nicht Abhilfe sein, aber beim neunundneunzigsten Problem kann sie sich möglicherweise als nützlich erweisen."

 

"Und was wäre das neunundneunzigste Problem?" verlangte der Mann zu wissen.

 

"Das neunundneunzigste Problem ist, dass wir keine Probleme haben wollen!"

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