Schwierige Situationen

In der Zen-Tradition des Westens wird immer besonders Wert darauf gelegt, dass wir lernen, sogenannte "schwierige Situatíonen" als wesentlichen Teil des Weges zu begreifen. Sie sind nicht etwas, um das wir herummanövrieren sollen, das wir meiden sollen (natürlich auch nicht hervorrufen oder suchen), sondern der oft lehrreichste Teil des zugegeben manchmal steilen Pfades zur Erleuchtung. Oder noch mehr: Der richtige Umgang mit schwierigen Situationen ist Erleuchtung. Erleuchtung also nicht als abschließendes Ziel, sondern als Haltung und Verhalten im Prozess...

 

Ezra Bayda (Schüler von Joko Beck) verweist immer gerne auf unsere Erwartungen. Beispielsweise auf die Erwartung, das das Leben fair sei. Das Gejammer: "Das ist nicht fair...!" geißelt er mit der Klarstellung: "Wer hat denn gesagt, dass das Leben fair ist?"

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Kommentare: 2
  • #1

    Simon (Dienstag, 14 Mai 2019 15:43)

    Das Leben ist so fair, wie es eben sein kann (wenn Gnade/Vergebung möglich ist, wohl auch darüber hinaus.

    Der Mensch ist es häufig aber nicht!

    Ersteres als Erkenntnis oder Glauben zu kultivieren scheint mir zwingend erforderlich, damit wir auf dem Weg des Menschen (Menschwerdung) den Raum entwickeln, der uns eine prozessorientierte ausgerichtete Haltung erlaubt.

    Dies verhindert eine allzu schnelle Handlung, nach dem Motto „Auge um Auge...“

  • #2

    Ruth Finder (Donnerstag, 16 Mai 2019 16:59)

    Das Leben (der Mensch inklusive) ist weder fair noch unfair: Das Leben IST einfach. Genauso wie Gott weder strafend noch liebend ist: Gott IST einfach. Alles andere würde einen Angriff auf die menschliche Freiheit bedeuten, eine Beeinflussung.

    Es ist gerade die Aufgabe - DIE HERAUSFORDERUNG, rauszufinden, was fair ist und was nicht, was Liebe/liebend ist und was nicht usw.

    Und wenn wir das wirklich herausgefunden haben, spielt das (wahrscheinlich?) keine Rolle mehr: Denn dann ist das weder... noch, sondern einfach das, was ist und schon immer war.

    Deswegen lesen wir noch einmal Yoga-Sutra Abschnitt 19 (besonders IV,34!):

    IV,25 Wer erkennt, dass das Bewusstsein einerseits und das eigentliche Wesen des Menschen andererseits fundamental verschieden sind, verliert die Bindung an sein weltliches Selbst.
    IV,26 Dann strebt das Bewusstsein unaufhaltsam nach vollständiger Klarheit und
    Unterscheidung, der inneren Neigung folgend zur Alleinheit.
    IV,27 Auch dies wird noch unterbrochen von Bewusstseinsinhalten, die von unterbewussten Antrieben stammen.
    IV,28 Deren Aufhebung ist die gleiche wie die der Leidursachen, welche bereits erklärt wurde.
    IV,29 Wer auch in diesem erhabenen Zustand nicht verweilt, erreicht mit alles durchdringender unterscheidender Wahrnehmung das endgültige Einssein - erfüllt und getragen allein von ewiger Ordnung.
    IV,30 Die Auswirkungen der Leidursachen und des früheren Handelns hören auf.
    IV,31 Umfassende unendliche Erkenntnis ist erreicht, alle Umhüllungen und Trübungen sind beseitigt, und es bleibt wenig mehr zu wissen übrig.
    IV,32 Die Ur-Wirkformen haben ihren Zweck erfüllt, und die Abfolge ihrer Wandlungen
    kommt zum Ende.
    IV,33 Die Abfolge besteht aus einzelnen Momenten und ist erst erfassbar am Schluss einer Wandlung.
    IV,34 Die Ur-Wirkformen haben für das Selbst keine Bedeutung mehr und strömen zurück; es herrscht Alleinheit - die Kraft des Geistigen ruht in ihrem eigenen Wesen.