Wenn ich stehe...

Ein in der Meditation erfahrener Mann wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gesammelt sein könnte. Dieser sagte:

Wenn ich stehe, dann stehe ich
wenn ich gehe, dann gehe ich
wenn ich sitze, dann sitze ich
wenn ich esse, dann esse ich,

wenn ich spreche, dann spreche ich...

Da fiel ihm der Fragesteller ins Wort und sagte:
Das ist nichts Besonderes. Was tust du noch?

Er sagte wiederum:

Wenn ich stehe, dann stehe ich
wenn ich gehe, dann gehe ich
wenn ich sitze, dann sitze ich...

Der Fragesteller unterbrach ihn wieder:
Das tun doch alle!

Aber er erwiderte: Nein!

Wenn du sitzt, dann stehst du schon
wenn du stehst, dann läufst du schon
wenn du läufst, dann bist du schon am Ziel
und erlebst nicht den Weg.

(Aus der Zen-Tradition von Ruth Finder)

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Kommentare: 3
  • #1

    R.G. (Freitag, 26 April 2019 08:07)

    Das ist ein gut zu beobachtender Automatismus in uns. Es ist unsere Vorstellung davon, etwas bestimmtes erreichen zu müssen, an einem Ziel anzukommen. Dabei schauen wir sozusagen in die falsche Richtung, nämlich auf das, was uns unsere AP flüstert. Auch hierzu gibt es natürlich eine chassidische Geschichte:
    Was der Mund will
    Der Baalschem sprach: "Wenn ich meinen Sinn an Gott hefte, lasse ich meinen Mund reden, was er will; denn alle Worte sind dann an ihre obere Wurzel gebunden."

  • #2

    R.G. (Freitag, 26 April 2019 08:20)

    Aber auch hier geht nichts ohne Innenschau und Selbstanalyse, um unserem Ego nicht auf den Leim zu gehen.

  • #3

    K (Freitag, 26 April 2019 18:35)

    Mit unserer Aufmerksamkeit sind wir selten wirklich in der Gegenwart, sondern in der Zukunft oder in der Vergangenheit: Es könnte also auch heißen:
    Wenn du läufst, dann stehst du noch.
    Wenn du stehst, dann sitzt du noch...und erlebst nicht den Weg.