Yoga-Sutra Abschnitt 7

II,12 Die Leidursachen bewirken Taten und Gedanken, und deren Art und Weise hat Folgen im jetzigen und in künftigen Leben.
II,13 Solange sie bestehen, bewirken und beeinflussen sie das Geborenwerden, das Leben und die Lebenserfahrung.
II,14 Je nach Verdienst oder Schuld des früheren Verhaltens wird ein Leben eher von Freude oder von Sorge geprägt sein.
II,15 Wer jedoch innere Klarheit erreicht, erkennt, dass alles Leben schmerzvoll ist; Leid, hervorgerufen durch dem Leben innewohnende Schwankungen, Angst, die unterbewussten Antriebe und auch durch die prinzipielle Ruhelosigkeit als Folge der Dynamik der Ur-Wirkformen.
II,16 Was zu verhindern ist, ist das zukünftige Leid.
II,17 Allem Leid zugrunde liegt die im Menschen Gestalt annehmende Verbindung des Geistigen mit dem Materiellen - dessen, was im eigentlichen Sinne wahrnimmt, mit dem, was der Wahrnehmung unterliegt.

II,18 Die Erscheinungsweisen des Materiellen sind hell und transparent, aktiv und leicht, sowie träge und schwer; es verkörpert sich in den Elementen, in den Sinnes- und Denkorganen und liefert die Grundlage für Erfahrungen und dadurch für Befreiung.
II,19 Diese drei Ur-Wirkformen durchziehen das Besondere und das Allgemeine, vom differenziert Wahrnehmbaren bis hin zur vollkommen undifferenzierten Ur-Sache.

II,20 Das Geistige ist die Kraft hinter der Wahrnehmungsfähigkeit, es ist reine Bewusstheit, nimmt aber an dem Bewusstseinsinhalt des menschlichen Geistes teil.
II,21 Das Wesen alles Wahrnehmbaren erfüllt sich im Geistigen.

II,22 Die Welt existiert nicht mehr für jemanden, der von ihr erlöst ist, sie besteht jedoch weiterhin für die anderen, da sie allen gemein ist.

II,23 Durch die Verbindung mit dem Materiellen ist es dem Geistigen möglich, das eigene Wesen und das Wesen der wahrnehmbaren Welt zu erfahren.
II,24 Was die Verbindung verursacht und aufrechterhält, ist das Nicht-Wissen.
II,25 Dessen Ende führt das Ende der Verbindung herbei - das ist die Aufhebung, die Alleinheit des Wahrnehmens.

II,26 Das Mittel zur Erlösung ist unermüdliches Streben nach Klarheit der Wahrnehmung.
II,27 Die daraus auf der letzten Stufe erwachsende Weisheit ist siebenfach.

II,28 Das Befolgen der Gebote und Übungen des Yoga, die Reinigung von Körper und Geist, führt durch Wissen zum Licht bis zur Fähigkeit klarer und unterscheidender Wahrnehmung.

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