Yoga-Sutra Abschnitt 5

I,40 Die Meisterung des inneren Zustandes führt zur Beherrschung des Allerkleinsten wie des Allergrößten.
I,41 Je mehr die innere Bewegtheit nachlässt, um so mehr wird man wie ein wohlgeschliffener Edelstein, der sich vom Untergrund, auf dem er ruht, durchscheinen lässt; der Wahrnehmende fällt zusammen mit dem, was er wahrnimmt und dem Vorgang des Wahrnehmens.
I,42 Dieses noch von Worten, deren Bedeutung, schon vorhandenem Wissen und von Vorstellungen durchsetzte Zusammenfallen ist von rationalem Überlegen begleitet.
I,43 Sozusagen mit dem Aufgeben seiner Eigenart erreicht das Gedächtnis die Reinheit, die allein das Wahrgenommene erstrahlen lässt, und das Zusammenfallen liegt jenseits von rationalem Überlegen.
I,44 Ebenso ist es mit dem auf feinstoffliche Dinge bezogenen Einssein, das anfangs noch tiefgründiges Nachsinnen einschließt und schließlich jenseits davon liegt.
I,45 Auch die subtilsten Begriffe und Phänomene bis zur vollkommen undifferenzierten Ur-Sache sind der Erkenntnis zugänglich.
I,46 Auf diesen Stufen des Einsseins können noch Bewusstseinsinhalte aufkeimen.
I,47 Die leuchtende Klarheit jenseits tiefgründigen Nachsinnens erhellt das innere Sein.
I,48 Die daraus erwachsende Erkenntnis ist von absoluter Wahrheit.
I,49 Sie bezieht sich auf anderes und ist ihrem Wesen nach ganz verschieden von Erkenntnis gewonnen durch Erfahrung oder Schlussfolgerung.
I,50 Der daraus entstehende unterbewusste Antrieb lässt keine anderen Antriebe mehr bestehen.
I,51 Gelingt es, auch diesen Antrieb zu überwinden, ist das Bewusstsein vollkommen unter Kontrolle gebracht, und man erreicht den Zustand des Einsseins ohne einen Keim für Bewusstseinsinhalte.

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Kommentare: 1
  • #1

    Ruth Finder (Mittwoch, 20 März 2019 20:40)


    I, 40-51:

    Der vollkommene Schwimmer

    Als der Sohn von Rabbi Schlomo Löb von Lentschno noch ein Knabe war, sah er einst Rabbi Jizchak von Worki beten. Voller Verwunderung kam er zum Vater gelaufen und fragte ihn, wie das zugehe, dass solch ein Zaddik ganz ruhig und schlicht ohne alle Äußerungen der Verzückung bete.
    "Wer nicht gut schwimmen kann", antwortete der Vater, "muss sich heftig bewegen, um sich über Wasser zu halten. Der vollkommene Schwimmer legt sich auf die Flut und sie trägt ihn."

    Ei und Hühnchen

    Rabbi Dow Bär von Mesnitsch war ein bekennender Nondualist. Er sagte: "Bevor ein Ei zu einem Hühnchen heranwachsen kann, muss es zuerst ganz aufhören, Ei zu sein. Jedes Ding muss seine ursprüngliche Identität verlieren, bevor es etwas anderes werden kann. Bevor also etwas in etwas anderes transformiert wird, muss es auf die Ebene des Nichts kommen."