Yoga-Sutra Abschnitt 3

I,23 Ein anderer Weg zum Einssein besteht in der vollständigen Hingabe an Gott.
I,24 Gott ist ein besonderes Wesen reinen Seins, unberührt von den Ursachen des Leides und den Folgen früheren Handelns.
I,25 In ihm liegt der alles einschließende Keim der Allwissenheit.
I,26 Er ist unabhängig von der Zeit und schon von jeher geistiger Führer.
I,27 Das Wesen Gottes hat seine klangliche Entsprechung in dem Wort "om".
I,28 Dessen Sinn erfährt man durch regelmäßiges inneres Vorsagen.
I,29 Dies führt zu beständiger Innerlichkeit, und die Hindernisse für die Yogapraxis verlieren an Bedeutung.
I,30 Das Bewusstsein wird abgelenkt durch die folgenden Hindernisse: Krankheit, geistige Trägheit, Zweifel, Unbesonnenheit, Antriebslosigkeit, Genusssucht, ständig schwankende Weltanschauung und die Unfähigkeit, eine stabile Haltung zu erreichen oder sie aufrechtzuerhalten.
I,31 Äußerliche Begleiterscheinungen dieser Ablenkungen sind körperliches und geistiges Leiden, Niedergeschlagenheit, nervöse Unruhe und ungleichmäßiger Atem.
I,32 Die Hindernisse sind durch das Üben von innerer Einheitlichkeit zu beseitigen.

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Kommentare: 4
  • #1

    R.G. (Samstag, 16 März 2019 06:51)

    1.27 bis 1.29 macht deutlich, wie wichtig es ist, im Alltag eine freudvolle Haltung zu kultivieren. Wie schon an anderer Stelle gesagt, tun wir uns da oft schwer.

  • #2

    R.G. (Samstag, 16 März 2019 07:05)

    1.30 bis 1.32 kurz gefasst: Wir geben den Rahmenbedingungen immer weniger Bedeutung und gehen weiter den Weg der Weg-Arbeit. Wie der Ostfriese sagt: "Muss ja."

  • #3

    Ruth Finder (Samstag, 16 März 2019 11:16)

    I,23-29:

    Das Lied "Du"

    Rabbi Levi Jizchak von Berditschew pflegte ein Lied zu singen, in dem es heißt:

    Wo ich gehe - du!
    Wo ich stehe - du!
    Nur du, wieder du, immer du!
    Du, du, du!
    Ergeht's mir gut - du!
    Wenn's weh mir tut - du!
    Nur du, wieder du, immer du!
    Du, du, du!
    Himmel - du, Erde - du!
    Oben - du, unten - du,
    Wohin ich mich wende, an jedem Ende
    Nur du, wieder du, immer du!
    Du, du, du!

  • #4

    Ruth Finder (Samstag, 16 März 2019 11:17)

    I,30-31:

    Flickarbeit

    Ein Chassid des Rabbi Jaakob Jizchak von Lublin fastete einmal von Sabbat zu Sabbat. Am Freitagnachmittag überkam ihn so grausamer Durst, dass er meinte, sterben zu müssen. Da erblickte er einen Brunnen, ging hin und wollte trinken. Aber sogleich besann er sich, um einer kleinen Stunde willen, die er noch zu ertragen hatte, würde er das ganze Werk dieser Woche vernichten. Er trank nicht und entfernte sich vom Brunnen. Stolz flog ihn an, dass er die schwere Probe bestanden habe. Wie er dessen inne ward, sprach er zu sich: "Besser, ich gehe hin und trinke, als dass mein Herz dem Hochmut verfällt." Er kehrte um und trat an den Brunnen. Schon wollte er sich darüberneigen, um Wasser zu schöpfen, da merkte er, dass der Durst von ihm gewichen war. Nach Sabbatanbruch betrat er das Haus seines Lehrers. "Flickarbeit!", rief ihm der an der Schwelle zu.

    Deswegen:

    I,32 Die Hindernisse sind durch das Üben von innerer Einheitlichkeit zu beseitigen.