Empfangen

„Doch wir leben gewöhnlich in der vergeblichen Hoffnung auf Menschen oder Dinge, die unser Leben leichter und angenehmer machen werden. Wir verbringen einen großen Teil unserer Zeit damit, unser Leben so einzurichten, daß sich das verwirklicht; wo doch die Freude unseres Lebens gerade darin liegt, alles, was getan werden muß, ganz zu tun. Und was getragen werden muß, zu tragen.


Dogen Zenji spricht von dem Selbst, das sich ganz im Selbst eingerichtet hat. Was meint er damit? Er meint, daß nur Sie Ihren eigenen Schmerz, Ihre eigene Freude empfinden können. Wenn es einen Eindruck in Ihrem Leben gibt, der nicht empfangen wird, dann sterben Sie in diesem Augenblick ein kleines bißchen...


Nur ich kann mich vom Morgen bis zum Abend um das Selbst kümmern. Ich kann das Leben empfangen. Es ist diese Berührung in jeder einzelnen Sekunde, von der Dogen Zenji spricht, wenn er den Tag des Tenzo beschreibt. Tu das, kümmere dich um jenes, wasch nicht nur den Reis, sondern tue es sorgfältig, Korn für Korn. Schütte das Wasser nicht weg. Jeder Bissen unseres Essens, das wir zu uns nehmen. Jedes Wort, das ich sage. Jedes Wort, das du sagst. Jede Begegnung, jede Sekunde, das ist es. Nicht mit dem Geist irgendwo anders herumspazieren. Nicht das Geschirr nur halbherzig waschen. Nichts halbherzig tun.“

(Charlotte Joko Beck, "Zen im Alltag", gesehen und getippt von R.G.)

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Kommentare: 3
  • #1

    R.G. (Dienstag, 12 Februar 2019 14:09)

    Das Leben empfangen. Was getan werden muss, ganz zu tun und was getragen werden muss, zu tragen.
    In der Regel und in unserem Alltag gehen wir davon aus, dass das Empfangen sich ausschließlich auf für uns Angenehmes und Schönes bezieht. Empfänglich werden. Die Gnade Gottes empfangen.
    Doch ist nicht die Gnade Gottes all das, was (uns) geschieht? DASS (uns) geschieht?
    Und wie schnell wir vor Eindrücken zurückschrecken, die uns unangenehm sind. Da wird klar, warum es viel Übung braucht.

  • #2

    Jonas (Mittwoch, 13 Februar 2019 07:40)

    Alles, was uns geschieht, ist Ausdruck der Liebe Gottes. Selbst die unangenehmen, ja sogar grausamen Erfahrungen, die wir machen, passieren nur im Rahmen seiner absoluten, bedingungslosen Liebe für uns.
    Um das nur ansatzweise zu verstehen, habe ich Jahrzehnte gebraucht.

  • #3

    Jonas (Mittwoch, 13 Februar 2019 16:46)

    "Das Selbst, das sich ganz im Selbst eingerichtet hat"
    - eine gute Beschreibung für die Alltagspersönlichkeit