Der schämige Büßer

Ein Sünder, der Buße tun wollte, kam zum Ropschitzer Rabbi, um zu erfahren, was ihm oblag. Er schämte sich, dem Zaddik alle seine Sünden zu bekennen, und musste doch jede offenbaren, um die sie sühnende Bußhandlung zu vernehmen. Daher erzählte er, einer seiner Freunde hätte sich solchermaßen vergangen, aber aus Scham es nicht über sich gebracht, selber zu kommen, und ihm den Auftrag erteilt, für jede Sünde die ihr zustehende Reinigung zu erfragen.

 

Rabbi Naftali sah ihm lächelnd ins listig angestrengte Gesicht. "Dein Freund", sagte er, "ist ein Tor. Er konnte doch getrost selber kommen und mir vorschwatzen, er vertrete einen anderen, der sich zu kommen geschämt habe."

 

(Bubel, S. 676)

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    R.G. (Mittwoch, 13 Februar 2019 17:55)

    Es ist wie im richtigen Leben. Man kommt einfach nicht raus aus der Nummer...

  • #2

    Simon (Mittwoch, 13 Februar 2019 22:16)

    "Es ist wie im richtigen Leben. Man kommt einfach nicht raus aus der Nummer... "
    Nur temporär und das kostet!

    Oder anders:
    Mit seinem Schatten um die Wette laufen, kann man mal machen!?