Verdreht

Vor einiger Zeit stieß ich auf einen Begriff  aus der Sozialpsychologie, und zwar auf den „Fundamentalen Attributionsfehler“. Dieser besagt sehr vereinfacht, dass wir die jeweilige Situation und die Umstände, unter denen eine Person handelt oft ignorieren und den Grund für ein Verhalten stattdessen in der Person selbst suchen. Treffen wir z.B. jemanden, der uns unfreundlich oder aggressiv behandelt, schieben wir das automatisch auf dessen Charakter. Äußere Faktoren, also beispielsweise ob diese Person gerade gestresst ist oder soeben eine belastende Nachricht erhalten hat, kommen uns dabei nicht in den Sinn.

Vom gewöhnlichen Standpunkt aus gesehen, werden schlechte Nachrichten oder schwierige Lebenssituationen  somit zu einer Begründung und Rechtfertigung für  gezeigtes schlechtes Verhalten (um es einmal hundertprozentig zu formulieren) und es scheint eine Unfähigkeit zu sein, wenn wir diese „Gründe“ nicht mit einbeziehen. Damit soll nicht gesagt sein, dass es nicht nachvollziehbar ist, wenn wir nach Erhalt einer belastenden Nachricht keine oder wenig Kontrolle über unser Handeln haben.

Aber aus der spirituellen Perspektive gesehen, sind wir überall und jederzeit für Gedanken, Emotionen und Handeln verantwortlich. Als Weg-Arbeiter müssen wir stets bemüht sein, auch in  belastenden Situationen adäquat zu handeln und mögliche aufkommende negative Emotionen und Gedanken zwar wahrzunehmen, aber möglichst nicht zum Ausdruck kommen zu lassen.

 

(Ruth Gabriel)

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Clemens (Sonntag, 03 Februar 2019 14:06)

    Der Buddha soll gesagt haben: "Auch wenn Räuber und Mörder einem mit einer Säge Glied für Glied abschnitten - wer darüber zornig würde, der handelt nicht nach meiner Lehre. Denn in einem solchen Fall sollt ihr euch also üben: 'Nicht soll unser Denken sich verändern, nicht wollen wir ein böses Wort von uns geben, sondern gütig und mitleidig bleiben, voll freundlicher Gesinnung und ohne Hass. Wir wollen diesen Menschen mit von freundlicher Gesinnung erfülltem Geiste durchdringen und von ihm ausgehend die ganze Welt.'"

    Auch wenn man sich dem annähernd auch nur die ersten anfängerischen Kriech- und Strampelversuche erfolgreich hingelegt hat, sollten fundamentale Attributionsfehler nicht mehr so die große Rolle spielen...

    Mit anderen Worten: "Dann klappt's auch mit dem Nachbarn."

  • #2

    Ruth Finder (Sonntag, 03 Februar 2019 19:15)

    Bei den anderen ist das der Charakter, bei einem selbst sind das die Umstände - so sieht und fühlt man das im Allgemeinen.

    Andersherum ist auch nicht ganz richtig. Was tun? Einerseits Verständnis, Mitgefühl, Milde, Geduld kultivieren und andererseits Bei-sich-Kucken und Disziplin. Und über all dem die Klarheit.

    Ansonsten könnte es vielleicht helfen, folgende Sätze zu affirmieren:

    "Woher hast Du das Recht, mit einem unfreundlichen Gesicht deine Mitmenschen zu belästigen?!" (Ich weiß leider nicht mehr, woher dieser Satz stammt, aber ich denke aus der "Wolke des Nichtwissens")

    Rabbi Mendel von Kozk sprach einmal zur Gemeinde: "Was begehre ich denn von euch! Drei Dinge nur: aus sich nicht herausschielen, in den anderen nicht hineinschielen und sich nicht meinen."

    "Dem Reinen ist alles rein."