Zur Erheiterung

Die folgende Katz-Geschichte entstand schon vor längerer Zeit. Impulsgebend war diese Buber-Geschichte:

Sussja fragte einmal seinen Bruder, den weisen Rabbi Elimelech: "Bruderherz, es steht doch in den heiligen Büchern geschrieben, dass die Seelen aller Menschen in Adam beschlossen waren. Da waren auch ja wir dabei, als er den Apfel aß. Ich kann es nicht begreifen, dass ich ihn habe essen lassen - dass du ihn hast essen lassen."

 

Elimelech antwortete: "Wir mussten, wir alle mussten. Denn hätte er nicht gegessen, ewig wäre das Gift der Schlange in ihm geblieben, ewig hätte er gesonnen: Ich brauche nur von diesem Baum zu essen, da werde ich wie Gott - ich brauche nur von diesem Baum zu essen, da werde ich wie Gott."

H., der "Superzensor" ^^, zerpflückte das nachfolgende Werk, weil es nicht den alttestamentarischen Tatsachen ("es ging nur um einen Apfel!") entsprach.

Nun stelle ich ihn als feministisches "Manifest" rein. ^^


Zwei Äpfel

Wenn es darum ging, irgendeinem Frechbold eine Lehre zu erteilen, griff Rabbi Jakov ben Katz manchmal zu ungewöhnlichen Mitteln - zum Beispiel legte er den Tanach (das alte Testament) auch mal eigentümlich aus. So war Folgendes geschehen.

Einmal besuchten ihn seine Schüler zu Hause. Es waren auch Neuzugänge dabei. Perle hatte die Tischgesellschaft bewirtet und sich zuletzt auch dazugesetzt. Sie hörte dem Gespräch zu und brachte hin und wieder eigene Überlegungen in die Runde. Nach einer Weile ging sie hinaus.

Einem Neuling, der aus frommem und reichem Hause stammte, stieß ihre Anwesenheit und Rede beim Tische unangenehm auf. Das bekundete er auch den anderen. Was solle denn das Frauenzimmer mit ihrem losen Mundwerk und ihrem Eigensinn hier bei den Männern. "War es nicht unsere Urmutter, die uns alle in die Erbsünde trieb und um das Paradies brachte. Sie und ihr Geschlecht hatten damit jegliche Mitsprache verwirkt."

Verunsichert ob solcher Dreistigkeit schauten die Schüler einander an und blickten dann zum Rabbi.

Mit schelmischem Blick und fester Stimme richtete der seine Antwort an den Jüngling: "Wusstest du nicht, dass an Gottes Baum zwei verschiedene Äpfel hingen - ein süßer Apfel der Verblendung, des Nichtwissens, des Hochmutes und der Hybris und ein saurer Apfel der Erkenntnis und des Wandels. Das lügnerische Kriechgetier hat Eva in die Ohren geflüstert, sie und Adam sollten in den süßen Apfel beißen. Ihr aber gebührt unser Dank, dass sie zu dem andren Apfel griff. Tja, und so lernen und beten wir und sitzen hier zusammen."

 

(Ruth Finder)

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Kommentare: 1
  • #1

    R.G. (Mittwoch, 26 Dezember 2018 20:32)

    High five, Ruthi!^^