Der Widersacher und die Seele

Der Widersacher hält Wache in bezug auf uns, indem er uns auflauert wie ein Fischer, wobei er uns fangen will und sich darauf freut, uns zu verschlingen. Er wirft nämlich viele Nahrungsarten vor unsere Augen - Dinge, die zu der Welt gehören; er will, dass wir etwas davon begehren und nur ein wenig kosten, so dass er uns ergreife durch sein verborgenes Gift und uns aus der Freiheit bringe und uns in Knechtschaft hineinstoße. Denn wenn er uns auch nur mit einer einzigen Nahrungsart ergreift, besteht der Zwang, dass wir auch den Rest begehren. Am Ende jedoch werden die so beschaffenen Dinge zur Nahrung des Todes.


Dies nun sind die Nahrungsarten, mit denen der Teufel uns auflauert: Zuerst wirft er Traurigkeit auf dein Herz, bis du betrübt bist wegen einer kleinen Sache dieses Lebens, und er ergreift dich mit seinen Giften; und danach ergreift er dich mit einer Begierde nach einem Kleid, damit du prahlst in ihm; und mit einer Geldgier, Stolz, Überheblichkeit, Eifer, der auf anderen Eifer eifersüchtig ist, Schönheit des Körpers, Beraubung von Menschen; die größten Laster von diesen allen sind Unwissenheit und Müßiggang.


Diese alle bereitet der Widersacher vortrefflich zu und breitet sie vor dem Körper aus - weil er will, dass die Seele ihren Sinn auf eine von ihnen richte und er die Seele überwältige. Wie mit einem Angelhaken zieht er sie gewaltsam in Unwissenheit und täuscht sie solange, bis sie vom Bösen schwanger wird und Früchte der Materie gebiert und selbst wandelt in Befleckung, wobei sie vielen Begierden, den Objekten von Gier, nachläuft, während die fleischliche Süße sie in Unwissenheit zieht.


Aber die Seele - sie, die diese Dinge gekostet hat - erkannte, dass süße Leidenschaften zeitlich begrenzt sind. Sie hat Erkenntnis über die Schlechtigkeit empfangen. Sie hat sich den süßen Leidenschaften entzogen und geriet in einen neuen Lebenswandel. Danach verachtete sie dieses Leben wegen seiner zeitlichen Begrenztheit und sucht nach den Speisen, die sie zum wahren Leben führen werden. Sie wendet sich von der betrügerischen Nahrung ab und empfängt Erkenntnis über ihr Licht. Sie wandelt, indem sie diese Welt ablegt, während sie bekleidet ist mit ihrem wahren Gewand in ihrem Inneren und ihr Brautgewand ihr angelegt ist in einer Schönheit des Herzens und nicht in einem Stolz des Fleisches; sie empfängt Erkenntnis über ihre Tiefe und eilt in ihren Hof, während ihr Hirte an der Tür steht. Für all die Schändlichkeiten und Unehren, die sie in dieser Welt empfangen hatte, empfängt sie nun zehntausendmal soviel Gnade und Ehre.


(aus: Die ursprüngliche Lehre NHC VI,3)

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Kommentare: 3
  • #1

    R.G. (Dienstag, 18 Dezember 2018 21:32)

    „Er wirft nämlich viele Nahrungsarten vor unsere Augen - Dinge, die zu der Welt gehören; er will, dass wir etwas davon begehren und nur ein wenig kosten, so dass er uns ergreife durch sein verborgenes Gift und uns aus der Freiheit bringe und uns in Knechtschaft hineinstoße. Denn wenn er uns auch nur mit einer einzigen Nahrungsart ergreift, besteht der Zwang, dass wir auch den Rest begehren. Am Ende jedoch werden die so beschaffenen Dinge zur Nahrung des Todes.“

    Hier wird deutlich, dass Elementale nicht getrennt funktionieren, sondern weitere Elementale nach sich ziehen und sich verstärken, bzw. mit Elementalen anderer Menschen in Resonanz gehen und sich dadurch verstärken. Hier muss es sich bei dem Anderen nicht unbedingt um das gleiche Elemental handeln. Es kann auch ein völlig anderes sein, das in Resonanz geht und wiederum auf „unser“ Elemental einwirkt.
    Ebenso stärken auch in uns selbst bestimmte Elementale wiederum andere Elementale, „Denn wenn er uns auch nur mit einer einzigen Nahrungsart ergreift, besteht der Zwang, dass wir auch den Rest begehren.“ Um dem beizukommen, müssen wir beständig Innenschau und Selbstanalyse betreiben und in unserem Alltag beständig an der Modifikation unserer AP arbeiten, und das in großer Bandbreite. Das Zauberwort dabei ist „beständig“! Mit den Worten des gnostischen Schülers gesprochen „Sei konsistent.“
    Hier bekommen wir eine Ahnung, warum die Elementalarbeit so profund wichtig ist.

  • #2

    Clemens (Mittwoch, 19 Dezember 2018 10:52)

    Ich fand im zweiten Absatz den Aspekt der notwendigen/empfehlenswerten freudvollen Grundhaltung als zu kultivierende Geisteshaltung wieder, indem der Text auf die Mechanismen hinwies, mit denen der "Teufel" (die Kapillarität der Welt/Trennungswelten) schrittweise seinen Einfluss auf uns inkarnierte Wesen vergrößert. Denn: "Zuerst wirft er Traurigkeit auf dein Herz, bis du betrübt bist wegen einer kleinen Sache dieses Lebens".

    Interessant ist dabei die "kleine Sache". Gewiss, es gibt auch große Gründe für Traurigkeit. Aber selbst kleine Gründe reichen als falsche Grundhaltung aus (wenn sie denn - ebenso wie große Gründe es nicht sollten - zu Grundhaltungen mutieren), um dem Verwicklungsmechanismus des "Teufels" Tür und Tor zu öffnen: "und er ergreift dich mit seinen Giften".

    Und dies sind dann alle möglichen anderen wachsenden Begierden: "danach ergreift er dich mit einer Begierde nach einem Kleid, damit du prahlst in ihm; und mit einer Geldgier, Stolz, Überheblichkeit, Eifer, der auf anderen Eifer eifersüchtig ist, Schönheit des Körpers, Beraubung von Menschen; die größten Laster von diesen allen sind Unwissenheit und Müßiggang."

    Das ist eine erstaunliche Überlegung. Ihr zufolge erwächst dies ja alles schon aus einer Missgestimmtheit über Nebensächliches. Über den Pickel im Gesicht, über die nass gewordene Sonntagszeitung, über die Zwei statt der Eins des Kindes in der Mathearbeit, über den Nachbarn, der nicht zuerst gegrüßt hat. Klar, den Pickel kann man ja vielleicht mit dem neuen Kleid wiedergutmachen wollen. Danach werden die Dinge aber undurchschaubar. Geldgier, Stolz, Überheblichkeit. Und sogar die hier als die größten Laster titulierten beiden: Unwissenheit und Müßiggang.

    Auf die Sache bezogen wäre Unwissenheit vor allem auch Nicht-Wissen-Wollen und bedeutete dann beispielsweise, sich nicht auf die obige Argumentation einzulassen - und zwar per pauschaler, grundloser Ablehnung. Und Müßiggang wäre dann, zwar der Argumentation vielleicht noch intellektuell folgend, nicht zumindest unter der 95%-Regel eine wenigstens durchschnittliche Vorwärtsbewegung in der faktischen Umsetzung hinzulegen.

  • #3

    Ruth Finder (Mittwoch, 19 Dezember 2018 19:02)

    Zwei Wahrheiten gibt der letzte Absatz wieder:

    Zum einen das Verhältnis zweier Welten: "Die Welt über der Welt" und zum anderen: "Man kann nicht zwei Herren dienen".

    Der "Teufel" agiert aber noch ausgefeilter und hat einen weitergehenderen Plan:

    Ein Chassid klagte dem Lubliner Rabbi, dass er von bösen Lüsten geplagt werde und darüber in Schwermut gefallen sei. Der Rabbi sagte ihm: "Hüte dich über alles vor der Schwermut, denn sie ist schlimmer und verderblicher als die Sünde. Was der böse Geist im Sinn hat, wenn er die Lüste im Menschen weckt, ist nicht, ihn in die Sünde, sondern ihn durch die Sünde in die Schwermut fallen zu lassen."