Über die Geduld (von Rainer Maria Rilke)

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären...

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit...

Man muss Geduld haben

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

 

(von Diana)

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Kommentare: 4
  • #1

    Simon (Montag, 12 November 2018)

    Jede Frage ist ein Hürde, aber nicht jede Antwort lässt uns diese Hürde nehmen.

    Die Fragen leben oder mit den Fragen leben ist manchmal der umfassendere Weg.
    So werden aus stillen Fragen lebendige Antworten.

    Eine Kunst herauszufinden, wann bzw. welche Fragen geduldig in uns verweilen und welche gerade heraus an die Welt oder unsere Mitmenschen gestellt werden sollten.

  • #2

    R.G. (Montag, 12 November 2018 21:13)

    "Das Gefühl, unterwegs zu sein, ist das Beste am Segeln, zu wissen, dass man ankommen wird, aber nicht wann, ein Ziel zu haben, aber noch nicht da zu sein."
    Aus Maja Lunde, Die Geschichte des Wassers

  • #3

    R.G. (Mittwoch, 14 November 2018)

    Dies ist eine Gratwanderung und benötigt eine gute und stabile Ausrichtung. Wie immer haben wir auch hier die Möglichkeit uns selbst etwas vorzumachen.

  • #4

    Clemens (Mittwoch, 14 November 2018 18:34)

    Dass etwas schwer ist, muß ein Grund mehr sein, es zu tun.
    (Rainer Maria Rilke)