Eine erzählerische Überlegung zu "Greis und Tod"

Alles zum Lernen

Ein frecher Jüngling fragte einmal den in die Jahre gekommenen Rabbi Jakov ben Katz: "Wieso halten sich die Alten Tag für Tag an ihrem Siechtum fest? Dem ein Ende zu setzen, wäre doch eine Erlösung."

Der Rebbe - gebeugt und auf seinen Gehstock gestützt - antwortete: "Bedenke, zu unserer Körperlichkeit gehört auch unser Denken. Wie viele junge Leute aber, die kräftigen Leibes sind und festen Schrittes gerade gehen, haben entstellte, hässliche, ja unheilsame Gedanken. Sollten sie auch vorschnell das Zeitliche segnen, die Geisteskrüppel?"

Als Entgegnung kam: "Die könnten aber noch durch Gnade die geistige Heilung erfahren und ihre Bestimmung erforschen: Gott und Zukunft sind auf ihrer Seite!"

Jakov ben Katz erwiderte: "Auch ein Greis hat künftige Zeit: Morgen werde ich noch mehr erlernen, was mir der Herr durch meine derartige Erdengestalt beibringen will."

 

(Ruth Finder)

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