31-34 Vers, 3.Kapitel

Ganz überspitzt: Was dem Baal-schem "der Funken", ist Rudolf Steiner "das lallende Ich". Der unten ausgeführter Textabschnitt aus dem Buch "Johannes-Evangelium" von R. Steiner erklärt unter anderem, aus meiner Sicht, eindrucksvoll das "Funkenkonzept", und dass das Ausbleiben von Funken selbstverständlich nur temporär ist (z.B ein langes Verbleiben auf der Psychiker-Ebene bis ein entscheidender "Funken" die Übergänge sichtbar/bewusst (!) macht). Der Text und das ganze Buch ist im weitesten Sinne ein Beispiel der Deutungsarbeit, ob man in Teilen mit den Inhalten einverstanden ist oder nicht.

"Der von oben kommt, ist über allen. Wer von der Erde ist , der ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, der ist über allen und zeuget, was er gesehen und gehöret hat; und sein Zeugnis nimmt niemand an.
Wer es aber annimmt, der besiegelt es, dass Gott wahrhaftig sei.
Denn welchen Gott gesand hat, der redet Gottesworte; denn Gott gibt den Geist nicht nach Maß."

(aus dem Evangelium von Johannes)

"(...)Ich möchte einmal den Menschen kennenlernen, der diese Worte nach dieser Übersetzung wirklich versteht. Was ist das für ein Gegensatz: 'Der von Gott kommt, redet Gottesworte, denn Gott gibt den Geist nicht nach dem Maß!' Was ist der Sinn dieser Sätze?

Durch unzählige Reden will Christus sagen: Wenn ich von dem Ich spreche, so spreche ich von dem ewigen Ich im Menschen, das eins ist mit dem geistigen Urgrund der Welt. Wenn ich von diesem Ich spreche, spreche ich von etwas, was im Allerinnnersten der Menschenseele wohnt. Hört mich jemand an - und jetzt redet er nur vom niederen Ich, das von dem Ewigen nichts fühlt -, der nimmt mein Zeugnis nicht an, der versteht mich gar nicht. Denn ich kann nicht von etwas sprechen, das von mir zu ihm hinüberfließt. Dann wäre er nicht selbständig. Jeder muss den Gott, den ich verkünde, in sich selbst als seinen ewigen Grund finden.(...)

Was der Christus lehrte, konnte man in dem Maße ergreifen, als man in sich das geistige Ich erfasste. Dann konnte man zwar noch kein volles Wissen von der Gottheit haben, aber man konnte verstehen, was man von den Lippen des Christus Jesus hörte. Dann hatte man die Vorbedingung zum Verständnis. Man brauchte dann alle Psalmen nicht, alle kunstvoll gefügten Lehren nicht, sondern man brauchte nur das Einfachste, und das waren lallende Ausdrücke. Man braucht nur zu lallen in seinen Worten, und man wird von dem Gotte zeugen. Das konnte man selbst in den einfachsten lallenden Worten, es brauchen nur einzelne Worte zu sein, die gar kein "Maß" haben.

Wer nur den irdischen Zusammenhang mit Gott weiß, der redet im Versmaß der Psalmen, aber all sein Metrum führt ihn zu nichts anderem als zu den alten Göttern. Derjenige aber, der sich in den geistigen Welten gegründet fühlt, der ist über alle, und er kann Zeugnis geben von dem, was er gesehen und gehört hat in den geistigen Welten. Aber sein Zeugnis nehmen diejenigen, die nur in der gewohnten Weise ein Zeugnis annehmen, nicht an. Wenn es solche gibt, die es annehmen, dann zeigen sie eben durch ihre Annahme, dass sie nicht nur glauben, sondern sie verstehen auch, was ihnen der andere sagt, und sie besiegeln durch ihr Verstehen selbst ihre Worte. 'Wer das Ich fühlt, offenbart selbst im Lallen Gottes Worte.' Das bedeutet das. Denn der Geist, der hier gemeint ist, braucht sich durch kein Metrum, durch kein Silbenmaß auszusprechen; sondern in der einfachsten Weise kann er sich ausdrücken.

Es werden leicht solche Worte als ein Freibrief genommen für ein Recht auf Unweisheit. Wer aber die Weisheit ablehnt, weil nach seiner Meinung die höchsten Geheimnisse in der schlichtesten Form aussprechen lassen müssen, der tut dies - allerdings oft unbewusst - nur aus einem gewissen Hang zur seelischen Bequemlichkeit. Wenn gesagt wird: 'Gott gibt den Geist nicht nach Maß', so ist eben nur gemeint, dass das Maß nicht zum Geist verhilft; wo aber der Geist wirklich ist, da entsteht auch das Maß. Nicht ein jeder, der das Maß hat, hat den Geist; wer aber den Geist hat, kommt gewiß zum Maß.

Man darf natürlich gewisse Dinge nicht umkehren: Es ist nicht schon ein Zeichen für das Geisthaben, wenn man kein Maß hat, obschon das Maßhaben nicht ein Zeichen für den Geist ist. Wissenschaft ist sicherlich kein Zeichen für Weisheit, aber Unwissenheit sicherlich auch nicht.

So wird uns also gezeigt, dass der Christus an das selbständig gewordene Ich in jeder Menschenseele appeliert. "Maß" müssen Sie hier ähnlich nehmen wie "Silbenmaß", wie kunstvoll aufgebaute Sprache. - Und der vorhergehender Satz heißt wörtlich: 'Der, der Gott im "Ich-bin" erfasst, bezeugt selbst im Lallen göttliche oder Gottes Sprache und findet den Weg zum Gotte."

(Ruth Finder)

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