Gebirgsketteneffekt:

(inspiriert durch den Kommentar von Jonas)

„Durch den Terminus „Hochsensibilität“ hätten die eigenen Maßstäbe für das Niveau an Reizen, das guttut, eine Legitimierung erfahren.
Vor dem Gebirgsketteneffekt versucht die HSP, eine ihr fremde, nicht auf sie zugeschnittene Rolle zu spielen, und scheitert dabei ständig. Die ‚neue Identität’ als HSP verlangt nicht mehr, so zu sein wie andere; man verfügt über einen neuen Bezugsrahmen zur eigenen Existenz mit passenderen Normen und Heuristiken zur Selbstinterpretation.“
(Michael Jack/Präsident des IFHS)

Hört sich erst mal so an, als ob dies eine Lösung sein könnte, ich sehe hier aber ein Problem. Es wird zwar eine gewisse Akzeptanz der eigenen Person erreicht, man bleibt aber auf der psychologischen Ebene hängen. Destruktive Kompensationsstrategien wie Drogen, Konsum, Sex, Kontrollzwang, können hierbei nur bedingt umgewandelt werden. Es bleibt aber ein System im System. So lange wir uns als ausschließlichen Teil des Systems verstehen, klappt das nicht richtig. ^^
Als systemorientierter Bestandteil von Weg-Arbeit geht das auch in Ordnung, aber eine nachhaltige Lösung sehe ich hier nicht.

Deutlicher ist vielleicht?
„Ein gesunder Umgang mit Hochsensiblität ist auf AP-Ebene nicht möglich! (Es gibt natürlich auch einen gesunden Umgang auf AP-Ebene, aber dieser ist kontextabhängig und temporär, also meistens nicht von Dauer.)
Ob nun mit oder ohne Akzeptanz spielt dabei letztendlich keine Rolle (außer natürlich für die AP), denn innerhalb der AP ist die Akzeptanz abhängig vom Kontext.

Was wäre dann wohl eine mögliche Lösung?
Um dem permanenten Bombardement von Eindrücken von Mensch und Umgebung nicht mit ebenso penetrantem Widerstand zu begegnen, sowohl dem Inneren als auch dem Äußeren (inneren) gegenüber, muss der Schritt „aus“ dem System gewagt werden. (Wir sind in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt!)

Möglichkeiten haben wir dafür!
Gegenwärtigkeit im Alltag oder als Meditation z.B. lässt die HSP verstummen, ohne dass sie taub wird.
Wegbegleitern vertrauen, sich hier und da offenbaren, hilft eigene Eindrücke zu relativieren!
Mitgefühl ist Raum gebend - Empathie, steht hier sogar in einer positiven Korrelation zur HSP.
Buddhistische Meditationen wie Vipassana oder Metta.

So wird aus dem hochsensiblen Joch, wahrscheinlich eine unterstützende Fähigkeit.

1. Johannes 2:15-17
"Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm; denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht vom Vater, sondern ist von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Begierde; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit."

(Simon)

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Kommentare: 1
  • #1

    Jonas (Dienstag, 23 Oktober 2018 16:32)

    Hallo Simon - danke für Deine Betrachtung zu dem Thema und besonders für Deine Darstellung möglicher Lösungsansätze.

    Das Problem der permanenten Reizüberflutung und der damit verbundenen ständigen körperlich/geistigen Übermüdung kann man auch meiner Erfahrung nach auf AP Ebene nicht wirklich in den Griff bekommen, wobei das Wissen darüber und eine entsprechende Akzeptanz schon hilfreich ist.

    Wie Du richtig ausführst, besteht eine echte Möglichkeit zum Ausstieg nur über den Einstieg ins Sein, ins Jetzt, also wenn man die Flut an akustischen, optischen, haptischen etc. Reizen bloß regisitriert, aber nicht mehr bewertet bzw. zu verarbeiten versucht. Wenn man sich also aus dem AP Spiel herausnimmt, dann erst hat man die Möglichkeit, damit wirklich klar zu kommen.

    HSPler werden in gewisser Weise fast gezwungen, (zumindest zeitweise) auf HS Ebene zu gehen, um die Reizflut und die damit verbundenen Auswirkungen abzumildern. Man könnte Hochsensibilität in dieser Hinsicht also - überspitzt formuliert - auch als präkonditioniertes, karmabedingtes Trainingsprogramm auffassen, das einen zur HS Ebene hinführt.