Kabîr VI

Den folgenden Kabir hatten wir vor längerer Zeit zumindest teilweise schon einmal im Blog. Ich erinnere mich besonders an den letzten Satz mit dem "und trotzdem wollen wir große Zimmer!" Das finde ich echt schön gesagt über unsere konsumistisch, extraktivistische Grundhaltung als AP-identifizierte, animalische-Ebene-orientierte, verwirrte Geistwesen, die ihre Mission in den Trennungswelten vergessen haben. (Oha!) Die rätselhaften "vier Tage" haben sich mir zwischenzeitlich auch aufgeklärt - eine mögliche Interpretation. Und auch der Rest bietet einigen Interpretationsspielraum in dunklen Formulierungen:

 

"Kabîr, die Laute ist verklungen, all die Saiten sind zerrissen.
Was macht die arme Laute, wenn der Spieler fort ist?
Vom Waldbrand versengt steht laut schreiend der Baum:
Ich will nicht in des Schmiedes Hände, dass er verbrennt mich ein zweites Mal!
Kabîr, das Liebste ist dürr, verachte das Grün am Teiche:
Auf ein einzelnes lebendes Sein kommen viele tausend Jäger,

wie oft wird es den Pfeilen entkommen?
Der Mensch ist nur eine Puppe aus fünf Elementen, der man einen menschlichen Namen gab ...
Doch sind wir nur Gäste für vier Tage, und trotzdem wollen wir große Zimmer!"

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Kommentare: 4
  • #1

    Jonas (Dienstag, 16 Oktober 2018 14:32)

    Als alter Lateiner erinnern mich die vier Tage (Tag als ein Symbol für einen abgeschlossenen zeitlichen Zyklus) an die vier Zeitalter der Menschheit, die wir in einem Gesamtentwicklungszyklus zu durchlaufen haben: das goldene, silberne, eherne und eiserne Zeitalter (Ovid: Metamorphosen, Liber primus, - die vier Weltalter, Vers 72 bis 162).
    Wir mussten damals in der Schule die ersten Verse sogar auswendig lernen, darum ist mir das offenbar in Erinnerung geblieben.
    Nach Abschluss dieser Zeitalter käme dann der Zensus mit einem Neustart.
    Wie ist denn Deine Interpretation, C.?

  • #2

    C. (Dienstag, 16 Oktober 2018 15:15)

    Meine "Interpretation" ist: Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter (wir würden sagen Elternschaft, Erwerbstätigkeit) und Alter, Greisenalter (wir würden Rentenalter sagen). Also mehr auf die individuellen "Tage" bezogen als bei Deinem Ansatz, Jonas, wo Du es mehr auf die gesamte Menschheit beziehst.

    Aber das ist weniger ein schlauer Einfall, als eine Erinnerung aus meinen Auseinandersetzungen mit dem Hinduismus. Dort werden die Phasen des SPIRITUELLEN Lebens in vier Phasen eingeteilt: Student, Hausvater (gesellschaftliche Verantwortung), Einsiedler (Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben, vertiefte Auseinandersetzung mit Spiritualität), Asktet (vollkommenes Entsagen).

  • #3

    Simon (Dienstag, 16 Oktober 2018 20:52)

    "Kabîr, die Laute ist verklungen, all die Saiten sind zerrissen.
    Was macht die arme Laute, wenn der Spieler fort ist?"
    Die Frage verstehe ich als ein Wink mit dem Zaunpfahl, zu LEBZEITEN, eine ausgerichtete Haltung zu verankern.
    Aspekte einer ausgerichteten Haltung wären z.B. Weisheit und Einsicht, Mitgefühl, Weg-Arbeit im Spiegel des HS.


    „Vom Waldbrand versengt steht laut schreiend der Baum:
    Ich will nicht in des Schmiedes Hände, dass er verbrennt mich ein zweites Mal!
    Eine Konsequenz, geschaffen durch Karma, sollten wir diesen „Wink“ einfach nicht verstehen wollen. Ausgedehnte Wiederholungen sind dann möglich, aber vermutlich nicht nötig.
    Erinnert mich an das Konzept der Schalenwelten von Mr. Atteshlis.

    Erkenntniss:
    Was für die AP ein Feuer, ist für das HS ein Licht!

  • #4

    K (Dienstag, 16 Oktober 2018 20:57)

    Mögliche Interpretationen der ersten Zeilen:
    "die Laute ist verklungen, all die Saiten sind zerrissen.": Mensch ohne Kontakt zum HS
    "Vom Waldbrand versengt steht laut schreiend der Baum:
    Ich will nicht in des Schmiedes Hände, dass er verbrennt mich ein zweites Mal!": Läuterungsprozess, gegen den sich die AP sträubt
    "das Liebste ist dürr, verachte das Grün am Teiche": das liebste ist ein einfaches bescheidenes ausgerichtetes Leben, meide ein üppiges Leben mit viel unnötigem Luxus, Auschweifung und Zerstreuung
    "Auf ein einzelnes lebendes Sein kommen viele tausend Jäger,
    wie oft wird es den Pfeilen entkommen?": Hinweis auf die vielen Versuchungen/Ablenkungen, denen der Mensch in seinem Leben ausgesetzt ist.