Gog und Magog

In einer Winternacht, nach dem Sabbath, saßen die Chassidim beisammen. Rabbi David von Lelow berichtete, wie er, wieder einmal, Rabbi Elimelech besuchen wollte:

 

Auf dem Weg nach Lisensk, in einem Wald, geschieht etwas, was ihm noch nie passiert ist: er verläuft sich. Stundenlang irrt er umher. Als er weinend dasteht, kommt ein Unbekannter daher. Der fragt David, warum er weine, erfährt den Grund und meint, gemeinsam fänden sie schon aus dem Wald hinaus.

 

Kaum sind sie einige Schritte gegangen, da merkt Rabbi David, dass sie sich schon nahe am Waldrand befinden. Der Mann fragt ihn dann, ob er nun wisse, was "gemeinsam", was "mitsammen" heiße.

 

Als Rabbi David bejaht, fügt er hinzu: "So gebe ich dir noch etwas mit auf den Weg. Will man zwei Holzstücke fest aneinander schließen, dass sie wie eines werden, muss man erst beider Unebnes abhauen. Wenn aber die Vorsprünge des einen sich in die Höhlungen des anderen fügen und umgekehrt, ist kein Abhauen not. Dies ist das wahre Mitsammen!"

 

Alle Chassidim stimmen zu, und einer, Jissachar Bär sagt: "Das ist der Prophet Elia gewesen."

 

(Martin Buber, "Gog und Magog. Eine chassidische Chronik")

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Kommentare: 1
  • #1

    C. (Dienstag, 16 Oktober 2018 10:34)

    "Wo zwei in meinem Geiste beisammen sind, bin ich der Dritte" oder "Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile" fassen auch das Phänomen, das im "wahren Mitsammen" anklingt bzw. ahnbar wird.

    Da nämlich, wo die Stärken und Schwächen zweier oder mehrerer Individuen in einer festen Aneinanderschließung verlustlos (OHNE Abhauungen) eine Wirkeinheit bilden, überwinden die einzelnen Teile ihre jeweiligen Schwächen wie von Zauberhand, vielleicht durch Gnade. Die Stärke des anderen wird zur eigenen Stärke. Aber wohl nur dann GANZ, wenn die Teile sich auch GANZ auf die Aneinanderschließung einlassen. Dorthin sind wir auf dem Weg.