Robinson

Hier - da wir dank K. mal wieder tief in die Interpretationsarbeit eingestiegen sind - eine weitere Vorlage zum Grübeln. Unten findet sich eine Zusammenfassung des "Robinson Crusoe" von Defoe aus der Wikipedia. Sie ist recht umfangreich, bietet aber gerade daher zwei interessante Punkte schon im ersten Satz, auch wenn sie nicht Teil der Interpretationsarbeit sein sollen. ^^

 

Im Netz gibt es aber auch noch wesentlich kürzere Zusammenfassungen. Etwa hier:

 

http://www.klassiker-der-weltliteratur.de/robinson_crusoe.htm

 

Man kann also auch direkt mit einer kurzen Version einsteigen, oder aber die Wikivariante selbst einkürzen, indem man eben nur Teile in die Interpretation einfließen lässt. Das kann durchaus gedanklich sein und muss nicht zur schriftlichen Form werden. Es geht dabei um lectio und meditatio. Und um den Spaß an der Sache. Lässt sich zuletzt tatsächlich etwas davon in Worten mitteilen - wunderbar!

 

Der Ich-Erzähler und Protagonist Robinson Crusoe wird 1632 in York als Sohn eines nach England ausgewanderten Bremer Kaufmanns mit dem ursprünglichen Namen Kreutzner (Kreutznaer) geboren. Sein Vater schärft dem jungen Robinson ein, er gehöre in den Mittelstand, und warnt ihn eindringlich davor, zur See zu gehen, dort würde er untergehen. Robinson Crusoe missachtet diese Ermahnungen und wird auf einer seiner ersten Fahrten vor der Küste Nordafrikas von Piraten überfallen und versklavt. Nach zweijähriger Gefangenschaft in der marokkanischen Hafenstadt Salé gelingt es ihm, zusammen mit dem ebenfalls versklavten Jungen Xury zu fliehen; beide segeln entlang der afrikanischen Atlantikküste nach Süden. Schließlich werden sie auf hoher See von einem portugiesischen Kapitän aufgenommen. Er bringt sie über den Atlantischen Ozean nach Brasilien; Robinson verkauft Xury an den Kapitän, lässt sich von ihm aber schriftlich zusichern, dass Xury nach zehn Jahren Dienst, wenn er ein Christ geworden sein wird, freigelassen werden soll.

In Brasilien kommt Robinson durch Geschick im Handel schnell zu Geld. Er erwirbt eine eigene Zuckerplantage und bewirtschaftet sie, so gut er es vermag. Um für seine und andere Plantagen schwarze Sklaven aus Guinea zu holen, geht er wieder zur See. Auf dieser Fahrt überlebt er bei einem Sturm in der Karibik als einziges Mitglied der Besatzung einen Schiffbruch. Er strandet an einer abgelegenen Insel im Mündungsgebiet des Orinoco. Crusoe kann an den folgenden Tagen mit einem selbstgebauten Floß noch verschiedene Ausrüstungsgegenstände aus dem Schiffswrack retten, bevor er eines Morgens feststellt, dass es nach einem weiteren Sturm verschwunden ist.

Robinson baut sich eine kleine Festung, in der er lebt. Er beginnt, Getreide anzubauen, zu jagen und Kleidung aus den Fellen wilder Ziegen herzustellen. Etwa am zwölften Tag nach seiner Landung errichtet er ein großes Kreuz, in das er den 30. September 1659 als Datum seiner Ankunft auf der Insel einritzt, und beschließt, fortan jeden Tag eine Kerbe in das Kreuz zu ritzen. Auch führt er, bis ihm die Tinte ausgeht, ein Tagebuch. Seine Festung rüstet er mit vom Schiff geretteten Musketen aus. All dies tut er mit äußerster Vorsicht, weil er sich auf der Insel nicht sicher fühlt.

Crusoe erkrankt ernsthaft. Im Fieber erscheint ihm ein Mann, der von einer schwarzen Wolke auf einer großen Flamme herabsteigt und ihm sagt, dass sein Leben ihn noch nicht zur Reue gebracht habe. Robinson wird wieder gesund. Zuvor nicht religiös, erstarkt sein Glauben an Gott, dem er sein Leben und alles zu verdanken glaubt, was er auf der Insel besitzt. So liest er jeden Morgen in einer Bibel, die er vom Schiff bergen konnte.

Abseits seiner Festung errichtet sich Crusoe noch eine Laube. Bei einer Expedition zum Westende der Insel macht er in einiger Entfernung Land im Ozean aus. Auf der Insel gefangene Ziegen verwendet er zur Zucht und gelangt so zu einer eigenen Ziegenherde.

Eines Tages entdeckt er im Sand einen Fußabdruck, der größer ist als sein eigener. Zwei Jahre später findet er am Strand die Überreste eines Kannibalengelages. Die Insel wird offenbar bisweilen von Kannibalen besucht, die dort ihre Festmahle abhalten.

Eines Nachts träumt Robinson, dass Kannibalen die Insel, auf der er lebt, mit einem Opfer aufsuchen, das jedoch entkommt und zu Robinson läuft. Tatsächlich erscheinen anderthalb Jahre später wieder „Wilde“ auf der Insel, und eines ihrer vorgesehenen Schlachtopfer läuft, von zwei Kannibalen verfolgt, auf Robinsons Versteck zu. Robinson und dem Verfolgten gelingt es, die beiden Kannibalen zu töten. Den zu ihm geflohenen Wilden, der später sein Freund und Diener wird, nennt Robinson Freitag zur Erinnerung an den Tag, an dem er ihm das Leben gerettet hat. Er bringt Freitag die englische Sprache bei, macht ihn mit der europäischen Lebensweise vertraut und führt ihn an die christliche Lehre heran.

Bevor Robinson seinen eigenen Angaben zufolge nach 28 Jahren schließlich gerettet wird, gelingt es ihm und Freitag, einen schiffbrüchigen Spanier und einen anderen Eingeborenen aus den Händen der Kannibalen zu befreien, die wieder ein Festmahl auf Robinsons Insel abhalten wollen. Der gerettete Eingeborene stellt sich als Freitags Vater heraus, während der Spanier berichtet, dass weitere mit ihm zusammen gestrandete Spanier auf Freitags Heimatinsel ein klägliches Dasein fristen. So wird beschlossen, dass Freitags Vater mit dem Spanier losfahren soll, um die anderen Europäer zu Robinsons Insel zu bringen.

Während die beiden noch unterwegs sind, ankert eines Tages ein englisches Schiff vor der Insel, dessen Mannschaft gemeutert und beschlossen hat, den Kapitän und noch zwei Andere auf der anscheinend unbewohnten Insel auszusetzen. Nach harten Kämpfen mit den Meuterern gelingt es Robinson, das Schiff zu erobern. Nun werden die überlebenden Rädelsführer der Meuterei auf der Insel ausgesetzt, und Robinson fährt am 19. Dezember 1686 nach England zurück, wo er am 11. Juni 1687 nach 35 Jahren Abwesenheit eintrifft.

Von dort schifft er sich mit Freitag nach Lissabon ein, wo er den alten portugiesischen Kapitän wiedertrifft, der ihm Rechenschaft über seine Pflanzungen in Brasilien gibt. Robinson erfährt, dass er während seiner Abwesenheit zu einem wohlhabenden Mann geworden ist, da seine Plantage inzwischen ein kleines Vermögen eingebracht hat. Für die Rückkehr nach England benutzen Robinson und Freitag zunächst den Landweg, auf dem sie Abenteuer mit Wölfen und einem Bären bestehen. Zurück in England verkauft Robinson seine Pflanzungen in Brasilien, legt das Geld an und heiratet.

Nach dem Tod seiner Frau besucht er die Insel erneut und lässt sich von den Bewohnern ihre Geschichte berichten. Die Spanier haben sich nach zunächst heftigen Kämpfen mit den Meuterern geeinigt, da die Insel von Kannibalen angegriffen wurde. Die Bewohner bilden inzwischen eine friedliche Kolonie, zu der Robinson bei späteren Besuchen sogar Neuansiedler bringen kann.

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Kommentare: 8
  • #1

    C. (Montag, 01 Oktober 2018 09:56)

    Robinson ist - nach dem Anfang bei Wiki - offensichtlich eine echt fiese Kackbratze, die ihr Schicksal volle Pulle verdient hat. Man stelle sich vor: Man gerät in Sklaverei und es gelingt einem zusammen mit einem Mitsklaven zu fliehen, Dann, sobald man in Sicherheit ist, verkauft man seinen Fluchtgenossen wieder in die Sklaverei. Danke schön! Da ist der Rest mit 10 Jahren und Freilassen doch offensichtlich ein Deckmäntelschen für die Gier des Möglichen. Wie ein Fair-Trade-Label, das man kaufen kann, wenn schon 5 % fair getradetes Zeug im produzierten Endprodukt sind.

  • #2

    K (Montag, 01 Oktober 2018 10:34)

    Und noch schlimmer. Er verkauft nicht nur den einen zuerst Leidens- und dann Weggenossen Xury wieder in die Sklaverei, er steigt dann selbst in den organisierten Sklavenhandel ein und geht wieder zur See, um schwarze Sklaven aus Guinea zu holen. Letztlich ist das aber leider ein allgegenwärtiges Prinzip: wir beschweren uns über Umweltverschmutzung z. B. durch Kohle- oder Kernkraftwerke, verschmutzen aber im Alltag selbst dauernd unsere Umwelt z. B. mit Plastikmüll und/oder genießen z. B. Kreuzfahrtreisen.
    Im Schulalltag beschweren sich viele Kinder, dass sie beleidigt werden, beleidigen aber selbst. Die Liste könnte man ganz lange so fortführen. Die Grundregel: "So wie du selbst nicht behandelt werden möchtest, das füge auch keinem anderen zu." ist oft noch Theorie. Prinzip der AP: immer sind die anderen Schuld.
    Um wieder zur "Kackbratze" Robinson zurückzukommen: Er "bringt Freitag die englische Sprache bei, macht ihn mit der europäischen Lebensweise vertraut und führt ihn an die christliche Lehre heran." Warum lernt Robinson nicht Freitags Sprache, Lebensweise und Glauben bzw. warum lernen nicht beide gegenseitig ihre unterschiedlichen Sprachen, Lebensweisen und Glaubensarten kennen und kreieren nicht eine neue Sprache, Lebensart und Glaubensart, die die Vorzüge beider Kulturen beinhaltet?
    Dann erfährt Robinson, dass er zwischenzeitlich durch seine Plantage in Brasilien vermögend geworden ist: Kapitalismus pur: andere hart arbeiten lassen und ausbeuten und selbst für sein erworbenes Geld keinen einzigen Finger rühren.
    Auch bezeichnend: Spanier und Meuterer bekämpfen sich auf der Insel, dann vertragen sie sich, weil es einen gemeinsamen Feind gibt. Hätte es den nicht gegeben, hätten sie sich weiter bekämpft. Die AP wird nicht aus eigener uneigennütziger Einsicht lieb zu den Mitmenschen, sondern wenn sie einen eigenen Vorteil sieht. Feinde werden ausgetauscht: bisher war die andere Gruppe auf der Insel der Feind, nun sind es die Kanibalen.

  • #3

    K (Montag, 01 Oktober 2018 11:45)

    Daniel Defoe wurde laut Wikipedia vermutlich 1660 in London geboren und starb 1731 dort. Kolonialisierung und Sklaverei galt damals in der Kolonialmacht England gesellschaftlich als normal. Sein Roman "Robinson Crusoe" zeugt von totaler Betriebsblindheit bezüglich dieser Themen. Heutzutage verhalten wir uns auch in so vielen Bereichen "kackbratzig" (das Wort gefällt mir...) und es fällt den allermeisten von uns gar nicht auf und in früherer oder späterer Zukunft werden sich die Leute kopfschüttelnd an die Stirn fassen angesichts unseres derzeitigen Verhaltens.

  • #4

    K (Mittwoch, 03 Oktober 2018 12:27)

    Ich mache mal einen anfänglichen Versuch einer Deutung. Die Geschichte ist auf eine bestimmte Weise betrachtet voller Symbolgehalt.
    Die Robinson-Crusoe-Geschichte kann man als Sinnbild für den gesamten Menschwerdungsprozess sehen. Am Anfang ist der Mensch in der göttlichen Einheit, aber unindividualisiert, im Robinson-Bild: der Vater erinnert den Sohn an die ständische Zugehörigkeit: der Mensch als Teil der göttlichen Einheit, der Mensch als Teil Gottes. Der Mensch möchte sich individualisieren, Robinson verlässt Familie und Stand und begibt sich auf See, also er betritt den Inkarnationsweg. Robinson wird von Piraten überfallen und versklavt. Sehr bald wird der Mensch mit den egoistischen Persönlichkeitsanteilen konfrontiert, die sein höhere Selbst versklaven. Mit der Hilfe von Xury (Ansätze des Höheren Selbstes??) gelingt es ihn, sich aus der Versklavung der Ego-persönlichkeit zu befreien. Die Phase ab Brasilien symbolisiert die immer größere Verstrickung in den Karma-Pfad, Robinson lädt Schuld auf sich (das höhere Selbst (Xury) wird wieder der Sklaverei preisgegeben). Robinson erleidet schließlich einen schweren Schicksalsschlag (Schiffbruch). Das Leben auf der Insel symbolisiert die selbstgemachte Isolation der Egopersönlichkeit, die sich mehr und mehr von allen Hilfen, von aller Inspiration abgeschnitten hat und sich ganz auf sich selbst gestellt sieht.
    Die Erkrankung Robinsons ist ein Bild dafür, dass der Mensch in seinem Entwicklungsweg an einem Tiefpunkt angelangt ist. Er hat sich am weitesten von der göttlichen Einheit entfernt. Das Gewissen (Mann von einer schwarzen Wolke auf einer großen Flamme) regt sich, der Mensch vernimmt erstmals wieder die Stimme des höheren Selbstes.
    Auf der Insel, also in den Trennungswelten, hat der Mensch mit besseren und schlechteren Persönlichkeitsanteilen zu tun. Schließlich beginnt er sich aus den Trennungswelten zu befreien, er verlässt die Insel. Schließlich befrieden sich die unterschiedlichen Egopersönlichkeitsanteile und Robinson, als Symbol für den geläuterten Menschen mit einem befreiten höheren Selbst, kann der Egopersönlichkeit weitere inspirierende Impulse geben (symbolisch: Neuansiedler auf der Insel).

  • #5

    C. (Mittwoch, 03 Oktober 2018 13:30)

    ...als hätte sie nie etwas anderes getan! Wo war sie die ganze Zeit? ^^

  • #6

    R.G. (Mittwoch, 03 Oktober 2018 16:14)

    ...unter Schafen...^^

  • #7

    Jonas (Mittwoch, 03 Oktober 2018 17:05)

    Respekt, K., saubere, in sich schlüssige Interpretation- bitte mehr!

  • #8

    K (Freitag, 05 Oktober 2018 09:26)

    Ihr seid echt lieb. Nun mal den Respekt und den Dank zurück an euch, deren inspirierende Beiträge/ Interpretationen etc. mich seit Jahren bereichern.