Alles klar?

Rabbi Jakov hatte einen unter seinen Schülern, der wiederholt am Ende der gemeinsamen Sitzungen mit wichtiger Stimme und nach allen Seiten triumphierend schauend verkündete: "Ja, genau das habe ich mir gedacht!" oder "Denke ich doch auch!" Nun hatte derselbe Schüler, naja, im Leben die Einsicht öfters vermissen lassen.

Eines Tages richtete der Zaddik an diesen jungen Mann die Frage: "Dies und jenes hast du gedacht, aber hast du das auch begriffen?"

"Ist das nicht das gleiche?" fragte dieser seinerseits.

Der Rabbi verneinte: "Der Verstand ist wohl für das Erstere zuständig, aber um zu verstehen, ja zu begreifen, braucht man auch ein Herz."

Dann erzählte der Rabbi augenzwinkernd eine Geschichte:

"Als Gott und der Dämon kurz vor ihrer Mission in der Welten standen, suchte sich ein jeder von ihnen einen Spruch, mit dem sie die Seelen zu erobern hofften. Der Teufel ließ sich diesen auf der Fahne schreiben: Ich denke, also bin ich!

Gott aber wählte jenen: Ich begreife, also werde ich!

Seitdem ist die Hölle voll und der Himmel auserlesen."

(Ruth Finder)

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Kommentare: 1
  • #1

    R.G. (Donnerstag, 27 September 2018 20:43)

    etymologisch begreifen Vb. ‘verstehen, geistig voll erfassen, umfassen, einschließen’. Ahd. bigrīfan (8. Jh.), mhd. begrīfen, mnd. begrīpen, nl. begrijpen bedeuten ursprünglich ‘ergreifen, betasten’, auch ‘umfassen, enthalten’
    Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

    Kurz: Ich bringe etwas mit mir in VERBINDUNG.