Das bremische Huhn

Ein Huhn aus Bremen hatte schon mehrmals flüsternd von der "Spirituellen Gemeinschaft" reden gehört. Eines Tages entschloss es sich, auch Mitglied dieser illustren Runde zu werden. Es besprach sich mit seinen Schwestern, wie es dies am besten umsetzen könnte. Dazu gab es verschiedene Ideen, die alle plausibel klangen, obwohl allen auffiel, dass man wohl unter der Hand von der Spirituellen Gemeinschaft sprach, aber niemand sich wirklich offiziell zu ihr bekannte, ja, dass sie sogar offiziell geleugnet wurde.

 

Unverdrossen ging das bremische Huhn aber als erstes zum Dom in der Innenstadt und sagte dem Pastor, es wolle Mitglied der Spirituellen Gemeinschaft werden. Der Pastor sagte, außer der Evangelischen Kirche gäbe es dort keine andere Gemeinschaft, aber gegen eine kleine Taufe und einen kleinen Monatsbeitrag könnte das Huhn Mitglied werden. Das wollte das Huhn aber nicht.

 

Als nächstes ging das Huhn ins Viertel zu einer Yogagruppe und trug dort sein Anliegen vor. Die Yogalehrerin sagte ihr, es gäbe dort keine Spirituelle Gemeinschaft, aber das Huhn könne sowohl mit Tageskarten als auch über einen Monatsbeitrag an sechs Tagen in der Woche zu verschiedenen Zeiten an den Yogastunden teilnehmen. Das wollte das Huhn aber nicht.

 

Schließlich ging das Huhn zu einer Zengruppe in einem Gemeinschaftsraum im Rechenzentrum der Universität Bremen. Auch da sprach es vor und erfuhr, dass es dort keine Spirituelle Gemeinschaft gäbe, aber dass das Huhn sowohl zu den Meditationen kommen dürfe, als auch mehrmals im Jahr zu längeren Sesshins mitkommen könne, bei denen man zudem am Aufbau und Erhalt des Tempels mitwirken könne - und zwar mit körperlicher Arbeit und mit finanzieller Unterstützung. Das wollte das Huhn aber nicht.

 

Es ging darauf nach Hause zu seinem Hühnerhof. Dort warteten schon alle ganz gespannt, aber unser Huhn sagte nur, es gäbe keine Spirituelle Gemeinschaft und zog sich auf seine Stange zurück, um seine müden Füße auszuruhen. Die anderen Hühner wichen ehrfurchtsvoll zurück und behandelten das Huhn von da an mit ausgesuchter und distanzierter Höflichkeit, denn sie dachten alle, das Huhn sei Mitglied der Spirituellen Gemeinschaft geworden.

 

Auch das Huhn fand sich schließlich - als es das seltsame Gebaren seiner Schwestern durchschaut hatte - mit seiner neuen Rolle ab und lächelte immer wissend, wenn es sagte, dass es keine Spirituelle Gemeinschaft gäbe.

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