Buddhistische Weisheiten I

- Sich mit anderen zu freuen, ohne Neid, ohne Missgunst, ist eine Gabe, die man nur selbst in sich entwickeln kann und soll, und es kann anfangs sehr schwer fallen. Dennoch, man muss seinen Willen und seine Achtsamkeit schulen, denn Glück zu empfinden ist das, wonach wir im Grunde streben. Und wer fähig ist, an anderem Glück ehrlich teilzuhaben, erlebt viel mehr Glück als jener, der Neid empfindet.

- Erst im gemeinsamen Leben mit einem Menschen lernen wir seinen moralischen Charakter kennen, erst im Gespräch mit Ihm sehen wir, ob er einen reinen Geist hast. In schweren Zeiten erkennen wir seine Kraft, im Umgang mit ihm lernen wir seine Weisheit kennen. Doch für all das brauchen wir Zeit und müssen aufmerksam sein. Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Einfühlungsvermögen und Intelligenz, ohne sie kennen wir einen Menschen nicht.

- Nimm dir für diejenigen Dinge, die dir wichtig erscheinen, wirklich Zeit. Verschiebe nicht alles auf morgen oder einen späteren Zeitpunkt. Du weißt nicht, dass du dazu noch in der Lage sein wirst. Wenn du von etwas träumst, dann warte nicht, diesen Traum zu realisieren, sondern verwende deine Achtsamkeit darauf, genau dort hinzugelangen, den Traum jetzt wahr zu machen. Auch wenn du jemandem eine Entschuldigung schuldest, einem anderem etwas Gutes tun willst, Hilfe leisten willst oder einfach nur etwas erledigen willst, das dir wichtig ist. Lebe im Hier und Jetzt und nicht Zeit mit Dingen, die dich nicht weiterbringen auf Kosten von relevanten Vorhaben, die du vielleicht nicht mehr realisieren kannst, obwohl sie für dich, dein Karma und das Wohlbefinden deiner Mitmenschen von großer Bedeutung wären.

- Laufe nicht der Vergangenheit nach. Verliere dich nicht in der Zukunft. Die Vergangenheit ist nicht mehr. Die Zukunft ist noch nicht gekommen. Das Leben, wie es hier und jetzt ist, eingehend betrachtend weilt der Übende in Festigkeit und Freiheit. Es gilt, uns heute zu bemühen. Morgen ist es schon zu spät. Der Tod kommt unerwartet. Wie können wir mit ihm handeln? Der Weise nennt jemanden, der es versteht, Tag und Nacht in Achtsamkeit zu weilen, jemanden, der den besseren Weg kennt, allein zu leben.

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Kommentare: 13
  • #1

    L. (Montag, 27 August 2018 07:22)

    Der Weise nennt jemanden, der es versteht, Tag und Nacht in Achtsamkeit zu weilen, jemanden, der den besseren Weg kennt, allein zu leben?

  • #2

    Clemens (Montag, 27 August 2018 09:12)

    Ja, an dem Satz kann man hängenbleiben. Sicher sind auch verschiedene Deutungen möglich. Gemeint ist aber wohl nicht die naheliegende entweder-oder-Bedeutung:

    "Wenn man schon allein lebt, und nicht zusammen mit Leuten, dann ist es besser, in Achtsamkeit zu verweilen. Wenn man aber mit Leuten zusammenlebt, dann kann man auch ruhig abschweifig Party machen."

    Oder die Auffassung, es sei damit gesagt, dass es irgendwie "besser" sei, allein zu leben...

  • #3

    Ruth Finder (Montag, 27 August 2018 10:00)

    Sicherlich gibt es mehrere Antworten, Assotiationen, Bilder, die alle aber letztendlich nur ein Bild vervollständigen.

    Einige davon:

    Dieser jemand ist wie ein guter Hirte, der mit viel "Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Einfühlungsvermögen und Intelligenz" seine "Schafe" (seine vielen "Ichs") zusammen in einer ruhigen, zufriedenen Formation hält, sozusagen sie all(e ver)ein(t).

    Das zeigt, dass der Spruch "Seine Schäfchen im Trockenen haben" eigentlich eine positive Bedeutung hat.

    Dieser jemand ist wie ein guter Wächter, der die "Diebe" (negative Gedanken, Emotionen, Gefühle und daraus resultierende Taten) mit seiner ständigen Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und der Bereitschaft zu dienen zurückhält und abwehrt. Er hat im besten Falle so einen Ruf, dass die "Diebe" nicht einmal in Versuchung kommen, ihm zu begegnen. Denn die Aufgabe, ja, der Sinn eines Wächters ist unter anderem auch ALLEIN an seinem Einsatzort zu sein und zu bleiben.

    Dieser jemand hält keine "Haustiere" z.B. "Schweinehunde". ^^

  • #4

    Jonas (Montag, 27 August 2018 11:07)

    Ja, im Wort all-ein steckt schon sehr viel drinnen. Allein zu leben kann man dahingehend auffassen, dass man mit ALLem, das einem begegnet, EINs ist. Also ohne Widerstände den Dingen gegenübersteht, die im Jetzt passieren, sie alle als ein Teil seines Selbst empfindet. Achtsamkeit ergibt sich dann aus dieser Verbindung heraus.

  • #5

    Jonas (Montag, 27 August 2018 11:13)

    Während des Tages und auch in der Nacht achtsam zu sein würde bedeuten, dass man Bewusstseinskontinuität erlangt hat, also auch im Schlaf sich seiner selbst durchgehend bewusst ist. Ein hoher Anspruch, wie mir scheint, der nur schwer zu erreichen ist.

  • #6

    Clemens (Montag, 27 August 2018 15:12)

    Ja, man kann das so verstehen, dass von "Tag und Nacht DURCHGEHEND in Achtsamkeit weilen" gesprochen wird. Das wird wohl auch so gemeint sein, denn es werden sprachlich eben immer Maxima formuliert.

    Niederschwelliger (und realitätsnäher) kann man die Aussage aber auch bezüglich der reinen FÄHIGKEIT verstehen. Also FÄHIG zu sein, tags wie nachts (zeitweise) in Achtsamkeit zu verweilen. Nachts würde dann entsprechend Jonas' Aussage beispielsweise etwa dem luziden Träumen entsprechen.

  • #7

    Clemens (Montag, 27 August 2018 15:31)

    Allein leben (nicht im Sinne vonn all-ein, sondern von "ohne Gesellschaft") und gemeinsam leben sind vielleicht keine Widersprüche. Vielleicht findet beides gleichzeitig statt. Wenn auch nicht auf Dauer festgeschrieben oder ohne Verbesserungsmöglichkeit.

    Will sagen: Bezüglich der zweiten und dritten Säule leben wir eben NICHT allein, auch wenn viele Menschen sich praktisch so verhalten. Wir arbeiten daran, besser und besser NICHT allein zu leben.

    Aber IN uns leben wir (noch?!) weitgehend/ganz allein. Schmerz, Freude, Leid etc. können wir eben NICHT wirklich teilen. Was in uns vorgeht, ist uns ganz eigen. Da sind wir allein (noch und auf bestimmte Weise gesehen).

    Und DIESES Alleinsein in Achtsamkeit, ohne Abschweifungen in Vergangenheit und Zukunft und Fantasiewelten zu verbringe, ist eben "der bessere Weg, allein zu leben."

  • #8

    Ruth Gabriel (Montag, 27 August 2018 17:06)

    Vielleicht kann man das allein leben als einfache Beschreibung dessen sehen, was wir hier als Rahmenbedingung haben und was hier in dieser Welt grundsätzlich möglich ist. Unabhängig vom Stand der Entwicklung. Selbst bei höherem Entwicklungsstand würden wir immer noch allein leben, allerdings in stetiger Achtsamkeit. Und das wäre dann definitiv der bessere Weg.

  • #9

    Ruth Gabriel (Montag, 27 August 2018 17:55)

    Vielleicht bedeutet Tag und Nacht in Achtsamkeit zu weilen, kein Karma zu erschaffen. Keine Anhaftung oder Ablehnung. Das Pendel ruht in der Mitte.

  • #10

    Ruth Gabriel (Montag, 27 August 2018 18:26)

    Der Weg des Menschen ist der Weg, den jeder von uns gehen muss. Wir müssen es selbst und allein "tun". Kein Anderer kann es für uns tun. Und da könnte man die Weg-Arbeit (Ausrichtung) statt des Karmapfades (Einrichtung) den besseren Weg nennen.

  • #11

    Simon (Montag, 27 August 2018 20:08)

    "Weg-Arbeit“, diesen Weg gehe ich alleine – Gemeinsam mit anderen.

    Ohne "Achtsamkeit" kann es passieren, dass wir im Alleine-Sein die Gemeinschaft suchen und in der Gemeinschaft das Alleine-Sein.

    Vermutlich ist es so, dass ein Mensch, der in der Achtsamkeit weilt, das Alleine-Sein und die Gemeinschaft als deckungsgleich empfindet bzw. erkennt.

  • #12

    Diana (Montag, 27 August 2018 22:47)

    Da bleiben nicht mehr viele Ergänzungsmöglichkeiten bei den vielen Ideen und Schätzen, die schon gehoben wurden :-)

    Vielleicht noch folgende Anmerkungen:

    - Tag und Nacht könnte sich auch auf unsere Persönlichkeitsebenen beziehen. Nacht wäre eine hohe Identifikation mit der AP, Verschattungen bis zur fast vollständigen Dunkelheit in uns. Der Tag der Zugang zum Höheren Selbst und göttlichen Aspekten, Weisheit, Licht ist in uns.

    Die Kunst ist es zu lernen, uns von den wandelnden Zuständen und Situationen, die wir als Lernfeld vorgesetzt bekommen (Karma), unverdrossen und beharrlich zu distanzieren. Nicht die Aufgabe abzulehnen, sondern die Verwechslung mit unheilsamen Elementalen, Widerständen, der Identifikation mit dem wiederholten Fallen. Distanzieren von der Verwechslung mit der AP, ihren unheilsamen Zuständen und daraus resultierenden leidvollen Situationen. Aber auch ein Distanzieren von der Anhaftung an Fortschritt und die Verwechslung eines „fertig-seins“ oder „erreicht-habens“ ist auf dem besseren Weg immer wieder erforderlich.

    - Allein zu leben, könnte - angesichts der Hinführung im Absatz über das Hier und Jetzt und den Tod -, als ein frei (allein) sein von Illusionen und Verblendungen verstanden werden. Das Frei-sein muss noch kein absolutes Frei-sein sein, sondern eröffnet erst den Weg sich zu befreien. Frei-sein bezieht sich auch auf Frei-sein von unwesentliche Verpflichtungen und Aufgaben, die dazu führen, dass man die permanente Präsenz des Todes und unserer Sterblichkeit verdrängt. Wir können dem Tod nicht entgehen, nicht mit ihm aushandeln, nicht zu sterben.

    Im Jetzt liegt die einzige Aufgabe. Nicht flüchtend in die Vergangenheit oder Zukunft. Das annehmend, was gerade da ist. Dranzubleiben, egal, wie es läuft. Einfach weitermachen. Sich allein nur darauf konzentrieren. Das ist der bessere Weg, der Weg-Arbeiter-Weg.

    - Allein sein (für sich, mit anderen) könnte sich auch darauf beziehen, anderen Menschen nicht unsere schlechte Gesellschaft zuzumuten, d.h. unsere unheilsamen Elementale, Wünsche, Vorstellungen, Taten. Sie sind im Kontakt mit anderen Menschen immer wirksam und stellen auch für sie eine große Belastung dar.

    - All-ein = eins mit dem All, eins mit allem, in Liebe mit allem verbunden - weil es die einzige Möglichkeit ist, wie man wirklich mit allem eins sein kann, eins allein, aber nicht einsam oder allein.

  • #13

    L. (Dienstag, 28 August 2018 05:50)

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