Was wichtig ist

Schon in jungen Jahren wurde es Rabbi Jakov zuteil, dass seine Seele in die hohen Höhen und darüber hinaus mitschwingen konnte. Dort hatte er zuweilen viele Seelen der Dahingeschiedenen aus seiner Stadt Schargorod getroffen. Darunter waren welche - einige wenige, die, durch des Herrn Gnade wie verwandelt geworden, den Sinn des Menschseins verstanden. So auch die von einem reichen Juden namens Baruch.

Eines Tages besuchte Jakov auf dem Gemeindefriedhof das Grab seines Großvaters. Dort begegnete er den drei Söhnen des verstorbenen Baruchs. Während er still am Grabesstein stand, redeten Baruch's Erben laut nacheinander zu ihrem Vater.

Der Älterste sprach: "Vater, wenn du nur sehen könntest, was ich erreicht habe! Ich habe ein großes Haus für meine Familie gebaut. Hoch auf dem Hügel steht es wie ein Palast, reich verziert in den Himmel hinausragend. Gut besuchte Empfänge, die ich dort gebe, sind im ganzen Umland bekannt. Mein Leben ist gelungen!"

Der Mittlere sagte: "Oh, Vater! Wehe uns, dass du nicht mehr unter uns weilst! Wie würdest du dich meiner zahlreichen Nachkommenschaft erfreuen. Elf Kinderchen und das zwölfte ist schon unterwegs! Mein Leben ist geglückt! Sollte ich mir vielleicht ein zweites Weib nehmen?"

Der Jüngste redete so: "Vater! Viel zu früh hast du uns verlassen! Sonst würdest du erleben, dass ich ein Gelehrter und Würdenträger meiner Gemeinde geworden bin. Ohne mein Wort geschieht nichts und die Scharen pilgern zu mir, um mich nur zu sehen. Was will man im Leben mehr!"

Und so gingen die drei nach Hause, ein jeder in sein gelungen geglaubtes Leben.

Aber Rabbi Jakov ben Katz hörte noch mehrere Tage lang das lautlose, verzweifelte Geschrei der Seele Baruch's, das zu seinen Söhnen nicht durchdringen konnte.

(Ruth Finder)

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    L. (Samstag, 25 August 2018)

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