Hans erkennt sein Glück nicht II

Aber die Gans war zwar nicht so schwer wie sein Schleifstein, aber sie war ordentlich genudelt worden. Zuletzt wohl vor nicht so langer Zeit, denn sie kackte ein ums andere Mal auf Hansens Jacke. Zudem ließ sie sich nicht gerne tragen und versuchte immer wieder, Hans in die Nase zu beißen. Frei laufen lassen konnte er sie zwar, aber sie lief dann wohin sie wollte, nicht wohin Hans wollte. So begann er das Tier schon bald zu hassen. Er überlegte, ihr bei der nächsten Gelegenheit den Hals umzudrehen und sie zu braten. Abends fand er aber nicht genug Holz für ein ordentliches Feuer. Schlaf fand er auch nicht. Er musste die ganze Nacht auf die Gans aufpassen, denn er hatte weder Strick noch Käfig. Zudem fürchtete er den Fuchs. Am anderen Morgen war er totmüde und bedauerte sich selbst zutiefst, wünschte sich seinen Schleifstein zurück und setzte vor Erschöpfung taumelnd seine Reise fort.
Glücklicherweise kam gerade ein Metzger des Weges, der auf einem Schubkarren ein junges Schwein liegen hatte. "Was sind das für Streiche!" rief er und half dem guten Hans, auf den Beinen zu bleiben. Hans erzählte, was vorgefallen war. Der Metzger reichte ihm seine Flasche und sprach: "Da trinkt einmal, und erholt euch."
"Ei, ei", sprach Hans, und strich sich die Haare über den Kopf, "wer hätte das gedacht! Es ist freilich gut, wenn man so ein Thier im Haus abschlachten kann, was gibts für Fleisch! Aber ich mache mir aus Gänsefleisch nicht viel, es ist mir eigentlich nicht saftig genug. Ja, wer so ein junges Schwein hätte! Das schmeckt anders, dabei noch die Würste."
"Hört, Hans", sprach der Metzger, "euch zu Liebe will ich tauschen und will euch das Schwein für die Gans lassen."
"Gott lohn euch eure Freundschaft!" sprach Hans und übergab ihm die Gans, und ließ sich das Schweinchen vom Karren losmachen und den Strick, woran es gebunden war, in die Hand geben.
Hans trieb sein Schwein ruhig vor sich her und bedachte den glücklichen Handel. Als er zu einem Wirtshaus kam, machte er Halt und ließ sich für seine letzten paar Heller ein halbes Glas Bier einschenken. Dann trieb er sein Schwein weiter, immer fort aus der Gegend seiner Geburt. Die Hitze war drückender, je näher der Mittag kam, und Hans befand sich in einer Heide, die wohl noch eine Stunde dauerte. Da ward es ihm ganz heiß, so dass ihm vor Durst die Zunge am Gaumen klebte. Er begann sein Schwein zu verfluchen, dass es keine Kuh sei, die er hätte melken können, um sich an der Milch zu laben. Wieder haderte er mit seinem Geschick und als er an einem Bauernhof vorbeikam und aus dem Brunnen trinken durfte, klagte er dem Bauern sein Leid.
Zuletzt sagte er: "Da lob ich mir eure Kühe, da kann einer mit Gemächlichkeit hinter her gehen und hat obendrein seine Milch, Butter und Käse jeden Tag gewiß. Was gäb ich darum, wenn ich so eine Kuh hätte!"
"Nun", sprach der Bauer, "geschieht euch so ein großer Gefallen, so will ich euch eine Kuh gegen euer Schwein tauschen, denn mich dauert euer Leid. Und außerdem ist mir ein Appetit auf die von euch beschriebenen Würste gekommen."
Hans willigte mit großer Dankbarkeit ein und trieb seine Kuh von des Landmanns Hof. Als er erneut durstig wurde, band er das Tier an einen dürren Baum, und stellte, da er keinen Eimer hatte, seine Ledermütze unter, aber so sehr er sich auch bemühte, es kam kein Tropfen Milch zum Vorschein. Und weil er sich ungeschickt dabei anstellte, so gab ihm das ungeduldige Thier endlich mit einem der Hinterfüße einen solchen Schlag vor den Kopf, dass er zu Boden taumelte und eine zeitlang sich gar nicht besinnen konnte, wo er war.

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