Auch wenn sie manchmal zwei Anläufe brauchen...

...sind Samsara und Nirvana (möglicherweise) eins.

 

Schon vom Buddha wird das Wort überliefert: "Es gibt ein Nichtgeborenes, Nichtgewordenes, Nichtgeschaffenes. Sonst gäbe es auch keinen Ausweg aus dem Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen. Dort ist weder Kommen noch Gehen, es hat weder Grundlage noch Stütze - dies ist das Ende der Leiden."

 

Hier setzt die Spekulation ein und bezeichnet dieses absolute Nirvana als das "Leere", weil es für den Verstand schlechterdings an keiner Stelle greifbar ist. In der innigen Beschäftigung mit diesem "Leeren" aber wird den Mystikern des Mahayana dieses höchste Gut zur einzig wahren Wirklichkeit überhaupt, und damit verblasst ihnen der Samsara mit all seinen Schrecken des Karma zum wesenlosen Schein. Diese Welt, in der wir leben, ist nicht nur unbeständig, vergänglich, sie ist im vollen Sinne leer und nichtig.

 

Zugleich aber ist ja eben das Leere, das Nirvana, die einzig wahre Wirklichkeit. Und damit blitzt der Gedanke auf, der von da an die Entwicklung des Mahayana beherrscht, dass Nirvana und Samsara auf geheimnisvolle Weise ein und dasselbe sind.

 

So gesehen, gewinnt aber diese unsere Welt ein Doppelgesicht. Sie ist wohl leerer Schein, aber als solcher Abglanz und Gleichnis ewiger Wahrheit.

 

(Wilhelm Gundert)

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Kommentare: 3
  • #1

    Ruth Gabriel (Sonntag, 05 August 2018 14:11)

    Dreißig Speichen gehören zu einer Nabe, doch erst durch das Nichts in der Mitte kann man sie verwenden;
    man formt Ton zu einem Gefäß, doch erst durch das Nichts im Innern kann man es benutzen;
    man macht Fenster und Türen für das Haus, doch erst durch ihr Nichts ìn den Öffnungen erhält das Haus seinen Sinn.
    Somit entsteht der Gewinn durch das, was da ist, erst durch das, was nicht da ist.
    Lao Tse
    Tao-Te-King
    (11)

  • #2

    Ruth Finder (Sonntag, 05 August 2018 14:25)

    Gar nichts

    Man fragte Rabbi Ahron von Karlin, was er bei seinem Lehrer, dem Rabbi Dow Bär von Mesritsch, gelernt habe.
    "Gar nichts", sagte er. Und als man ihn bat, dass zu erklären, fügte er hinzu. "Das Garnichts habe ich gelernt. Den Sinn des Garnichts habe ich gelernt. Ich habe gelernt, dass ich gar nichts bin und dass ich doch bin."

  • #3

    Simon (Dienstag, 07 August 2018 11:03)

    Manchmal nutzen wir unsere Vorstellung von "Leere",
    um der "Weg-Arbeit" zu entkommen.

    Manchmal nutzen wir die Vorstellung von "Weg-Arbeit",
    um der "Leere" zu entkommen.

    Die "VORSTELLUNG" steht beidem im Wege.