Aus der Bubel 14

Fremde Gedanken

 

Einer bat den Lubliner um Hilfe gegen die fremden Gedanken, die ihn beim Beten bedrängten. Der Rabbi deutete ihm an, wie er sich verhalten solle, aber der Mann setzte ihm immer weiter zu und wollte sich nicht abfertigen lassen. Endlich sagte der Rabbi: "Ich weiß nicht, warum du mir in einem fort von fremden Gedanken vorjammerst. Wer heilige Gedanken hat, zu dem kommt zuweilen ein unreiner, und den nennt man dann einen fremden. Aber du - es sind doch deine eigenen gewohnten Gedanken: wem willst du sie zuschreiben?"

 

(Bubel S. 478)

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Clemens (Mittwoch, 01 August 2018 11:16)

    Die Geschichte ist laut R.F. schon in ihrer Sammlung. Dessen erinnerte ich mich nicht. Hier habe ich sie eingestellt, weil ich sie schön anwendbar auf den Prozess des "Erkennens wo man steht" ist. Das Problem ist das Nicht-Wahrhaben-Wollen, der Widerstand gegen das Faktum der Abgelenktheit und der Art der Störgedanken. Und zudem Bequemlichkeit, aus der heraus der Rabbi immer wieder eingespannt wird mit: "Mach das weg!"

    Leider werden die Verhaltensandeutungen des Rabbis in dem Geschichtchen nicht wiedergegeben, aber denkbar wäre, dass sie in genau DIE Richtung gingen:

    -Akzeptiere die störenden Gedanken als DEINE Gedanken.
    -Die Gestörtheit akzeptiere als Ausgangspunkt.
    -Wiederhole Deine Bemühungen. Wieder und wieder. Setze dabei keine Fristen. Es mag eine lebenslange Aufgabe sein und bleiben.
    -Setze nicht auf äußere Hilfe. Sie mag kommen, aber erwarte sie nicht.