Heilige Einfalt

"Gott ist etwas, das durch Vielfalt die Einfalt bewirkt." (R.F.)

Einst sprach der Fürst der Dunkelheit zum obersten Engel: "Es wird erzählt, dass der Mensch nach dem Ebenbild deines Herren geschaffen ist. Aber ich sage dir dies! Überall, in West und Ost, in Süd und Nord habe ich in der Menschen Seelen geschaut. Dunkel sind diese, verworren durch Scharen von Gedanken und Gefühlen. Sogar die besten von ihnen haben dunkle Ecken in sich. Kein Einziger, der mir nicht einen Schatten zum Unterschlupf geboten hat. Und so habe ich nur meinesgleichen erkannt. Die Menschheit ist verloren!"

"Überbringe meine Worte dem Fürsten des Lichts!", so spottete er weiter.

Gottes oberster Diener hörte ruhig zu und fragte den Gebieter alles Dunklen: "Warst du auch in Schargorod?"

"Nein, aber was ist denn dort?", erwiderte sein Gegenüber.

"Dort lebt einer, an dem die Welt nicht verloren geht. Der Mann heißt Jakov ben Katz."

Im Nu war des Herren Herausforderer zur Stelle.

Drei Tage lang lauerte er um den Rabbi herum. Drei Tage suchte er nach einer dunklen Ecke in seiner Seele. Vergeblich! In des Rabbis Heiligstem waren alle Türen und Fenster auf und es leuchtete ganz hell darinnen, so dass der arme Teufel begann, etwas von diesem Licht abzubekommen. In seiner Furcht davor und seiner Verzweiflung floh er zurück zur Pforte des Himmels.

Der Engel hatte ihn dort schon mit einem Lächeln erwartet.

"Was war das?!", rief der Unselige.

"Das ist die Heilige Einfalt. Dieser Mensch hat nur einen Gedanken, der seine Seele bis in alle Winkel erleuchtet, nämlich im Dienen die Wiedervereinigung mit unserem Herren zu erlangen!"

 

(Ruth Finder)

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Kommentare: 4
  • #1

    Simon (Mittwoch, 25 Juli 2018 14:18)

    ...und es gibt sie doch!
    Schöne Geschichte

    Gott "IST" Einheit - VIELFALT - BEWIRKT
    Ganz schön dreifältig. ^^
    Gott (Einheit) - Logos (Vielfalt) - Heiliger Geist (Bewirkt)

  • #2

    Ruth Gabriel (Mittwoch, 25 Juli 2018 15:35)

    Da können/müssen wir uns fragen, wie denn solch ein Dienen, ein Dienst, ein Gottesdienst, für jeden von uns individuell aussehen könnte.

  • #3

    Clemens (Mittwoch, 25 Juli 2018 16:42)

    Wir werden es herausfinden! Und bei Gott, es wird uns gefallen...

  • #4

    Diana Michaelis (Donnerstag, 26 Juli 2018 12:36)

    Gott versteckt sich hinter oder offenbart sich in jeder seiner Falten. Ob wir es erkennen oder nicht.

    Interessant ist, dass das Wort „Einfalt“, das auf einen germanischen Wortstamm zurückgeht (gotisch ainfalþs, althochdeutsch einfalti), ursprünglich allgemein Einfachheit im Sinne von Eingestaltigkeit, Ungeteiltheit bedeutete (lt. Wikepedia). Erst im Laufe der Zeit schränkte sich die Bedeutung des Wortes auf einfaches Denken ein.

    Das verweist auf die hohe Bedeutung der Einfalt, weil man, vom materiellen Blick aus, Einfalt leicht unterschätzt. Sie aber hinsichtlich ihrer der ursprünglichen Wortbedeutung, in ihrer Eingestaltigkeit/ Ungeteiltheilt, alles enthält. Komplexität ist enthalten, wird aber in „Heiliger Einfalt“ nicht in Komplexität ausgedrückt. Man könnte sogar sagen, dass wir im Zuge unserer Entwicklung von der unausgedrückten "Heiligen Einfalt" in die Komplexität des Ausdrucks und Sein (Vielfalt) wieder zur bewussten „Heiligen Einfalt“ kommen. Und dann im besten Sinne Einfalt und Vielfalt leben können.

    So spannend wie Origami, bei dem man aus einem einfachen quadratischen Papier mit diversen Faltungen (!) unglaubliche Figuren falten kann. Die Hauptfaltungen sind dabei die Bergfaltung, Talfaltung, Quetschfaltung, Zickzackfaltung, Umkehrfaltung nach außen oder innen, Hasenohrfaltung, Blütenblattfaltung, Knickfaltung, Senkfaltung. Wie könnte man dabei nicht an Weg-Arbeit denken, den Weg von der Unbewussten Einheit/ Einfalt mit/ in Gott zur Vielfalt der Erfahrungen und des Ausdrucks in die bewusste Einfalt Gottes zurück.

    Die Hauptfaltungen könnte man als folgende Stationen auf dem Weg beschreiben:
    • Bergfaltung – Inkarnation als Mensch, Manifestation, aus dem Geist wird Materie, und unsere Materie ist – wie wir alle aus eigener Erfahrung wissen – bretthart, so wie unsere Gedanken, unheilsamen Gewohnheiten etc.
    • Talfaltung – Abstieg in das menschliche Leiden, Entwicklung durch Erfahrungen und Leiden
    • Quetschfaltung – karmische Konsequenzen unseres unbewussten Tuns, Samsara, Schmerz und Leid als Lehrmeister
    • Zickzackfaltung – der verzweifelte Weg durch den Irrgarten unserer Erfahrungen, die Suche nach einem Ausweg, noch mehr unbewusst als bewusst
    • Umkehrfaltung nach außen oder innen – Entscheidung, ob man weiter den äußeren Weg in der Materie (von der Welt sein) oder einen wirklichen Ausweg daraus sucht (in der Welt sein)
    • Hasenohrfaltung – Angst, die alle Weg-Arbeiter kennen: der zunehmend klarere Blick in die eigenen Abgründe, Baustellen, noch zu erledigende Arbeit auf unserem Weg zur vollständigen Befreiung
    oder: Unseren spirituellen Lauschern entgeht immer weniger - weder unsere eigenen Schwächen und Mängel noch Gottes permanenter Ruf und seine Liebe für uns
    • Blütenblattfaltung – Befreiung, wir werden ein blühender Ausdruck Gottes in der uns eigenen Individualität, das Ergebnis unseres langen Leidens und Werdens. Aus dem Samen wird eine wundervolle Blüte. Die Blüte entfaltet sich im Wechselspiel mit anderen Blüten.
    • Knickfaltung – unsere Entscheidung, wie wir als nun befreites Wesen weiter sein wollen. Der Knick als Entscheidung, da der Weg, nun nicht mehr die eigene Entwicklung und Befreiung zum Ziel hat, sondern die Frage, wie wir dem Höchsten in unserer erleuchteten und befreiten Individualität am besten dienen können – Ausdruck wahrer Freiheit
    • Senkfaltung – Der Kreis schließt sich, auch wenn das nicht das Ende der Bewegung bedeutet, sondern eine Bewegung im dauernden Eins-Sein mit Gott. Vielfalt in Einfalt oder auch anders herum möglich: Einfalt in Vielfalt. Der Kreis ist ein Spirale.