Gnostische Sonne (nach L.)

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Kommentare: 11
  • #1

    Jonas (Dienstag, 17 Juli 2018 09:24)

    Hallo Clemens, danke für das Bild, ich wage mich einmal an eine Interpretation heran, aus dem Blickwinkel heraus, der mich derzeit beschäftigt:

    Die gnostische Sonne als Bild für die Dreifaltigkeit Gottes und auch des Menschen

    Den schwarzen Punkt in der Mitte des Bildes könnte man als Symbol für Gott Vater außerhalb der Schöpfung deuten, auf den Menschen als Abbild Gottes umgelegt wäre es der göttliche Urgrund, das höhere HS in uns.

    Davon ausgehend erstrahlt Christus das Licht, umgeben von dem schwarzen Kreis, den man als die materielle Schöpfung sehen könnte, oder menschenbezogen als unsere (drei) Körper, die primär heilig geistiger Natur sind.

    Das Licht ist nicht nur auf unsere Körper beschränkt, sondern strahlt auch außerhalb, in der gesamten Schöpfung, dargestellt als ebenfalls weißer Bereich bis zum Blattrand. Man könnte es auch so sehen, dass die Begrenzung unserer Körper nur eine scheinbare ist, alles ist vom Licht umgeben und durchdrungen, alles ist eins.

    Das Bild kann man auch dreidimensional sehen, wir hätten dann Gott Vater als schwarze Kugel im Zentrum, Gott in sich selbst ruhend, umgeben von strahlenden Christus-Licht, das die heilig-geistige Schöpfung, dargestellt als schwarze Hohlkugel von innen und außen erhellt.
    Wunderbar dargestellt auch in der Schöpfungsgeschichte:“Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.“ 1. Mose 1.3

  • #2

    Ruth Finder (Mittwoch, 18 Juli 2018 08:22)

    Garantiert daneben, aber dann ist das eben die gnostische Sonne nach R. ^^

    Dieses Symbol erinnert mich an ein Auge (Iris+Pupille).

    Die Wahrheit zu hören, reicht nicht. Erst wenn man sie erkennt (sieht!), kann man sich verwirklichen.

    Symbolisch gesehen: Das Licht der Wahrheit fällt in das Innere des Auges (in die Seele) und strahlt in die Welt zurück. Deswegen die Sonne der Erkenntnis.

  • #3

    Clemens (Mittwoch, 18 Juli 2018 11:45)

    Als mir das L. vor Ewigkeiten "aufs Auge" drückte, war meine erste Reaktion: "Gott blickt dich an!" Dann noch: "Gott im Größten und im Kleinsten." An mehr erinnere ich mich nicht. Heute ist da offensichtlich einiges mehr zu holen. Schöne Idee zum Beispiel, das Weiße mit in die Deutung einzubeziehen.

  • #4

    Diana (Mittwoch, 18 Juli 2018 23:18)

    Wenn man das Bild länger fixiert, wirkt es wie eine weiße Scheibe, die dick schwarz umrandet ist.

    Der schwarze Punkt in der Mitte wird zu einem kleinen runden Loch, einem Eingang, ein Guckloch, das nur einen kleinen Einblick gewährt. Oder es ist ein Nadelöhr, durch das man durch muss. Und irgendwann auch kann. Der schwarze Punkt wird beim Betrachten, im Tun, plastisch, erhält Tiefe und Raum. Das Schwarze steht für das Universum, das Unendliche, unmanifestierte Möglichkeiten, Potentialitäten, Nicht-Erkennbares von der Seite der weißen Scheibe aus, von wo aus man es jetzt betrachtet. Gott. Der Einblick wird durch die weiße Scheibe begrenzt.

    Die schwarze Umrandung wirkt wie eine Begrenzung, wie eine massive Grenze zwischen innerem und äußerem Weiß.

    Das Weiß symbolisiert die Welt der Dualität und Materie. Das unbeschriebene Blatt, das doch alle Möglichkeiten, alle Farben enthält. Bis zur Grenze (außerhalb) steht es für die unbewusste Existenz des Menschen. Es gibt es eine Grenze, die man überschreiten muss, um zum Kern, zur Wahrheit zu kommen. Das Weiß von innen und außen unterscheidet sich zwar farblich nicht, aber die Grenze führt eine Trennung, eine Unterscheidung zwischen beiden Seiten ein. Innerhalb der Grenze ist das weiß überschaubarer, weil es zur Mitte hin endet, am schwarzen Loch, am Durchblick, am Durchgang. Hat man die Grenze überschritten, ist man im inneren Weiß. Dann weiß man im wahrsten Sinne des Wortes, dass die Welt eine Scheibe ist. Weil wir anfangen, uns selbst zu erkennen, unsere Beschränktheit erkennen und versuchen, sie bewusst zu transformieren. Vorher IST die Welt für uns eine Scheibe, da wir so beschränkt in unserer Sicht und Erkenntnis auf uns und die Welt sind. Die Welt ist auf dem Weg zu unserer Bewusstwerdung aufgrund unserer Bewusstlosigkeit und Unerfahrenheit so unendlich, unfassbar, unbegrenzt, so wie das weiß außerhalb der Umrandung. Nach außen hin offen. Wie ein unendliches Meer an Erfahrungen, in dem wir auf- und abtauchen. Und es uns dadurch lange nicht wesentlich überschaubarer vorkommt.

    Was stellt die Grenze dar? Aspiranz. Wir durchbrechen sozusagen die Schallmauer Gottes. Vor der Grenze (außerhalb) ist Gottes Ruf lange nicht, wenig, sehr leise oder undeutlich zu hören, oft noch weniger zu verstehen. Hinter der Grenze (innerhalb) erkennen wir, dass es Schall und Geräusch gibt. Wir lernen zu unterscheiden. Und wir versuchen immer mehr auf das Ursprungsgeräusch zu hören, nicht auf den verzerrten, gebrochenen Schall. Schallmauer auch deswegen, weil wir die „Schallmauer der (bisherigen) Entwicklung“ durchbrechen. Innerhalb erfahren wir durch die Nähe zu anderen Aspiranten, Lehrern, die Nähe zum Durchgang, eine enorme Beschleunigung in unserer Entwicklung. Eine wesentlich höhere und potenzierte Dichte an Wissen und Licht, das sich gegenseitig durchdringt und verbindet.

    Warum ist nicht das schwarze Loch der Eingang zur Aspiranz? Weil auch ein Aspirant vielfältige Lernerfahrungen und Aufgaben vor sich hat, kein „Fertiger“ ist, sondern ein Werdender. Weil es die Aufgabe des Aspiranten ist, innerhalb der Welt der Existenz zu werden, sich hier zu entwickeln bis zur vollständigen Befreiung. Erst mit der vollständigen Befreiung können wir die Wahrheit in ihrem ursprünglichen absoluten Sein (Schwarz) ohne ihr Abbild, die Form (Weiß) erkennen.

    Warum heißt das Bild gnostische Sonne?
    - Weil es den Weg und die Richtung der Entwicklung und Befreiung darstellt.
    - Weil es den Weg zum Licht, zur Sonne der Erkenntnis zeigt.
    - Weil es durch die Umkehrung der Symbolik (hier wird die Sonne nicht licht und strahlend dargestellt) auf die Überwindung der Dualität hinweist. Wir erkennen die Sonne wahr, absolut, nicht in ihrem relativen, materiellen Ausdruck. Das hellste Licht ist ganz dunkel, weil es alles Licht enthält.
    - Weil in der Dualität von Schwarz und Weiß alles enthalten ist, das ganze Wissen, der Weg, die Mittel, die Befreiung.
    - Weil wir beim langen Betrachten des Bildes alles erkennen können, den Eingang finden.
    - Weil wir für unsere Befreiung in die dunkle Wahrheit unseres Seins hinabfallen müssen, um wahr werden zu können. Und dafür alle Fallstricke der Existenz, der materiellen Bindung loslassen und durchschneiden müssen.

  • #5

    Ruth Gabriel (Donnerstag, 19 Juli 2018 07:02)

    Der schwarze Punkt könnte Gott, den Urgrund darstellen. Schwarz, weil er nicht vom Licht beleuchtet wird, da er es aussendet und es nichts außerhalb von Gott gibt. Er somit also nicht beleuchtet werden kann. Vielleicht steht das Äußere des weißen Kreises für den Weg des Menschen in der Welt mit all seinen Entwicklungsstufen und das innere Weiße des Kreises für das „Ankommen“. Hier sind wir sozusagen nach Hause zurückgekommen und bilden mit dem was wir mitbringen - unserem Bewusstsein - die weiße Corona, die Iris von Gottes Auge.

  • #6

    Ruth Gabriel (Donnerstag, 19 Juli 2018 07:47)

    Ergänzung zu Kommentar 6:
    Besser wäre vielleicht:
    "...den Weg des Menschen in den Welten..."

  • #7

    Jonas (Donnerstag, 19 Juli 2018 11:44)

    Man könnte auch den schwarzen Kreis als Bild für den Weg des Menschen in der Schöpfung sehen, auf dem sich der Mensch entlang bewegt, im Gefüge von Zeit und Raum. Vom Zentrum, dem schwarzen Punkt (eindimensional, Gott symbolisierend) aus gesehen wäre alles zeitlos, schon vollständig da. Nur für uns, die wir uns am Kreis entlang bewegen, wäre es eine sequentielle Abfolge an einzelnen Inkarnationen.

    Ein schöner Gedanke wäre es auch sich bewusst zu machen, dass der Endpunkt des Kreises gleichzeitig der Ausgangspunkt ist, man also aus Gott heraus beginnt und in ihm wieder endet.

  • #8

    Diana Michaelis (Donnerstag, 19 Juli 2018 12:12)

    Man kann das Bild der gnostischen Sonne auch als einen Trichter verstehen.

    Der Trichter beginnt mit der schwarzen Umrandung. Außerhalb ist ebene Fläche, auf der wir – neben dem Gnadenaspekt und der 95%-Regel -, alleine mühsam vorankommen müssen. Würde es diesen Gnadenaspekt nicht geben, würden wir es aufgrund unserer verblendeten und unwissenden Existenz und der daraus erwachsenden verheerenden Konsequenzen sehr lange nicht, oft vielleicht auch nie an den Rand des Trichters schaffen. Je näher man jedoch an den äußeren Rand des Trichters kommt, umso mehr wird man schon gezogen und unterstützt.

    Ist man innerhalb des Trichters, wird man, je weiter man vorankommt, immer mehr durch die Neigung zur Öffnung hin gezogen (schwarzes Loch). Irgendwann geht das Rutschen in ein Fallen über und man rutscht erst in den Eingang und fällt dann im Loch ins Schwarze, ins Leere, in die Fülle. Den Übergang in den Trichter markiert die Aspiranz, der bewusste Eintritt in die Eine Spirituelle Gemeinschaft.

    Auch Aspiranten sind keine erleuchten Meister und müssen auf ihrem Weg lernen, haben mit inneren und äußeren Schwierigkeiten zu tun, an denen sie wachsen müssen. So passiert es immer wieder, dass auch Aspiranten versuchen, das Gleiten zur Mitte hin zu verhindern, aus unterschiedlichen Schwierigkeiten heraus. Das ist jedoch eine schmerzvolle Erfahrung, denn man wird zerrieben zwischen dem Gleiten nach unten und der gegengelagerten Bewegung, sich festhalten zu wollen. Der Druck, der durch das Widersetzen der natürlichen Bewegung im Trichter (Gleiten, Loslassen) entsteht, reißt einen buchstäblich auseinander. Und ist auf Dauer nicht aufrecht zu erhalten. Zumal sich durch die Bewegung der anderen Aspiranten im Trichter, die sich auf dem Weg zur Mitte befinden, aufgrund ihrer Bewegung und Nähe zueinander, die Zugbewegung und der Druck auf den Verharrenden verstärken. Und natürlich versuchen die anderen Aspiranten auch, den Festhängenden mitzunehmen - wenn es geht.

    Was ist das Gefälle? Das Zunehmende Erkennen und Werden der Aspiranten, die zunehmende gemeinsame Durchleuchtung. Der Sog, die die immer deutlicher einsgerichtete Bewegung, die die immer größere Nähe derer, die gemeinsam im Trichter sind, bewirkt. Das zunehmende Ablegen unheilsamer Persönlichkeitseigenschaften, des Egos wird zu einem Leichter-Werden, was das Gefälle zum Eingang hin verstärkt und die Rutschbewegung, die Ziehkraft des Lochs bzw. dessen, was dahinter ist und zieht, erhöht. Man muss sich das als komplexes Gebilde vorstellen, keinen materiellen festen Trichter. Es gibt vermutlich viele Trichter. Jeder Trichter stellt als Ergebnis das Zusammenspiel verschiedener Wirkkräfte dar. So ist die Fallneigung unterschiedlich, passt sich an die Gegebenheiten an, wird von den sich in ihm befindenden Aspiranten und Lehrer verändert.

    Durch die zunehmende Befreiung der Persönlichkeit, des wahren Selbst (HS) wird man immer leichter, göttlicher gefärbt bzw. kommt die ursprüngliche göttliche Färbung (die sich auf das ganze Sein bezieht, nicht nur die äußere Färbung) unter den unzähligen Lackschichten der verblendeten Persönlichkeit wieder zum Vorschein. Gleiches möchte sich mit Gleichem zusammentun, Licht zum Licht, Liebe zu Liebe, Freiheit zu Freiheit. Hier, unsere in unserem kleinen Umfang. Dort, die unendliche allumfassende Gottes.

    Hier und dort wird eins. War immer eins. Wir mussten nur einen sehr langen, schmerzvollen Weg gehen, um das zu erkennen. Aber im Erkennen dessen wird uns auch zunehmend klar, dass nichts umsonst war. Natürlich hätten wir uns und Anderen einiges an Leid ersparen können. Aber von jetzt aus betrachtet, macht es uns deutlich, dass DAS unser Weg der Befreiung ist. Diesen vergangenen Weg annehmend und erkennend bietet uns das die beste Möglichkeit, ab jetzt künftiges Leid zu vermeiden.

    Fortsetzung folgt im nächsten Kommentar....

  • #9

    Diana Michaelis (Donnerstag, 19 Juli 2018 12:12)

    Fortsetzung vom letzten Kommentar:

    Was ist der Trichter? Meister/ Lehrer, Lehre, Gemeinschaft/ ESG. Die Lehre ist die Struktur, gibt dem Trichter die Form. Die Lehrer erfüllen die Struktur mit Leben, spiegeln sie in unendlicher Buntheit und Klarheit wieder, damit wirklich jeder Mensch erreicht werden kann. Die Gemeinschaft ist wie eine Rutschhilfe, ein Schmiermittel, ein verbindendes und beschleunigendes Element. Letztendlich haben aber alle drei Elemente die Wirkung des jeweils anderen, also sind natürlich auch Lehrer Entwicklungsbeschleuniger und gibt auch die Gemeinschaft Halt über Struktur, Belehrung. Und das könnte man noch weiter ausdifferenzieren.

    Was passiert, wenn wir durchs Loch geglitten sind? Ich weiß es noch nicht, weil ich noch im Gleiten und hoffentlich nicht zu oft am Festhalten bin. Aber es könnte folgendermaßen sein: Wir sind umfassend befreit. Eins mit allem, bei vollem Bewusstsein. Wir sind im Meer der Möglichkeiten, innerhalb der Unendlichkeit, vereint mit allem und allen. Voll bewusst in Gott, als individuelle Wesen, aber ungetrennt mit IHM vereint. Wir können aufgrund dessen, was wir sind, wählen, wie unser weiterer Weg sein wird. Freiheit von allem, Freiheit zu allem. Es gibt kein Erkennen und Verstehen mehr, wir sind Erkennen und Verstehen. All das, was Gott auch ist. Und wonach wir uns so lange gesehnt haben.

  • #10

    Diana Michaelis (Donnerstag, 19 Juli 2018 12:14)

    Cool, was man aus einem Bild an unterschiedlichen Deutungen und Inspiration gemeinsam erfahren kann :-)

  • #11

    L. (Freitag, 20 Juli 2018 17:22)

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