Einstellung (für Insider "Gurke")

Eines Abends erzählte Rabbi Jakov ben Katz so einige Geschichten. Jeder seiner Schüler erkannte sich - auch mehrmals - darin. Folglich, als die Schüler unter sich blieben, sorgte das in der Runde für trübe Stimmung und lange Gesichter: Von Hilfslosigkeit und Ohnmacht bis zu aufkeimendem Widerstand, ja Ablehnung den Hinweisen gegenüber war alles dabei.


Nur einer unter ihnen sagte immer wieder. "Herrlich, herrlich!"


Einige seiner Kameraden herrschten ihn an: "Warum, zum Teufel, bist du so fröhlich?! Geht es dich doch genau so an, wie uns!"


Der Geschmähte antwortete: "Das ist es ja! Was würdet ihr denn tun, wenn jemand euch darauf hinweist, dass eure Hose sperrangelweit offen ist, weil ihr in eurer Dusseligkeit vergessen hattet, sie beim Anziehen zuzumachen, und dabei eure Männlichkeit aller Welt ins Auge fällt? Ihr würdet doch dem Hinweisgebenden danken, die Hose in Ordnung bringen und denken: "Dem Allmächtigen sei Dank! Einer hat's gesehen!"


(Ruth Finder)

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Kommentare: 10
  • #1

    Jonas (Dienstag, 10 Juli 2018 16:29)

    liebe Ruth, vielen Dank für die ben Katz Geschichte, ich musste ob des vor meinem inneren Auge aufsteigenden Bildes gepaart mit Deiner pointierten Wortwahl herzhaft lachen. Das schmälert aber in keiner Weise die Aussage, die dahintersteht. Wunderbar.

  • #2

    Clemens (Dienstag, 10 Juli 2018 19:00)

    Ja, herrlich, herrlich!

  • #3

    Diana (Dienstag, 10 Juli 2018 22:27)

    Ja, wer in so einer Situation "herrlich, herrlich" ruft,
    der ist dem Herren schon etwas näher! :-)

  • #4

    Diana (Dienstag, 10 Juli 2018 22:29)

    Bitte um ein spirituelles Grammatikcoaching:
    Heißt es "dem Herren" oder "dem Herrn"?

  • #5

    Ruth Gabriel (Mittwoch, 11 Juli 2018 09:21)

    Und bei einem offenen Hosenstall ist es ja meist so, dass es ALLE sehen, aber KEINER was sagt. Bis man es eben irgendwann selbst mit Entsetzen bemerkt und sich wünscht, es hätte EINER was gesagt ^^

  • #6

    Clemens (Mittwoch, 11 Juli 2018 09:39)

    Ja, der Unerlöste ist ein Fremdschämer - oder einer, der die Konfrontation meidet. Ein Meister ist von Scham aller Art frei - und Konfrontation meidet er nur dort, wo es unter dem Strich besser für alle ist...

  • #7

    Ruth Finder (Mittwoch, 11 Juli 2018 09:48)

    An dem großen Aufkommen von Kommentaren sieht man, dass bestimmte "Witze" am meistern zünden. ^^

  • #8

    Simon (Mittwoch, 11 Juli 2018 11:33)

    Hier ist wohl die Geschicktheit der Mittel gefragt.
    Gilt für beide Seiten gleichermaßen. ^^
    Im Zweifelsfall, besser ungeschickt als gar nicht.
    Gilt auch für beide Seiten.

    Ps.
    Ich glaube,
    es heißt "dem Herrn".

  • #9

    Ruth Finder (Mittwoch, 11 Juli 2018 18:01)

    Ich weiß..., aber ein bisschen blödeln ist erlaubt. ^^

    Einstellung II

    Und wieder hat Rabbi Jakov einige seiner Geschichten zum Besten gegeben. Diesmal aber hob er die Verdienste seiner Zöglinge hervor.

    Als die Schüler später alleine da saßen, ging das Frohlocken und gegenseitiges Schulterklopfen los. Manch einer sah sich schon als des Rabbis Vorredner, ein anderer als Hüter der der Gemeinde eigenen Thorarolle und so fort.

    Derselbe Kamerad tanzte aber auch hier aus der Reihe. Er schaute dem Freudengetümmel nachdenklich zu.

    "Was hast du denn wieder?!", war der allgemeine Ruf. "Die Hosen sind doch zu!"

    Der sagte aber trocken: "Ja, die Hose sitzt, die Schuhe sind geputzt, das Hemd ist gebügelt und ein neuer Hut soll nicht fehlen. Aber was nützt das denn, wenn einem der Schritt so anschwillt, dass man vor lauter Protz und Stolz nicht laufen kann."

  • #10

    L. (Freitag, 20 Juli 2018 17:23)

    *