Peterson II

http://www.achgut.com/artikel/der_antihumanismus_der_oeko_extremisten

 

Hier werden - trotz der Tatsache, dass ich vieles von Peterson ob der klugen Blickwinkel mit staunend offenem Mund lese - zwei Punkte deutlich. Zumindest, wenn man den Text mal so aus dem Kontext gerissen als alleinstehende Aussage nimmt. Und die konkrete Kritik Petersons ist hier unwidersprochen meiner Ansicht nach auch völlig gerechtfertigt.

 

1. Argumentierend verfallen wir fast wie von selbst in Extreme. Besonders, wenn die vorangehende Aussage ebenfalls extrem ist. Dabei beinhalten viele extreme Aussagen durchaus graduelle Richtigkeiten. Statt aber das Graduelle herauszuarbeiten und eine Synthese anzustreben, knallen wir ein anderes Extrem dagegen und nehmen dann den Standpunkt ein: "Jetzt muss ich mich nicht mehr mit dem Blödsinn auseinandersetzen."

 

Peterson gibt den Ökoextremisten in vielen Aspekten recht. Er deutet das Gegen-Extrem nur an ("sich gegen die Natur verteidigen"), aber gerade damit gibt er einer unguten Position Munition. Und er macht damit seinen Job, denn er lebt ja schließlich auch davon, seinen Kunden das Leben letztlich nicht zu schwer zu machen. Er sagt nicht: "Verwandeln wir die ganze Natur in einen Parkplatz vor einem Supermarkt!" Aber so argumentiert wäre das letztlich auch nicht so schlimm. Wenigstens gäbe es dann dort draußen keine Tiger und Bandwürmer mehr... Und das, obwohl der Leser sich durchaus für auf- und abgeklärt halten darf: Der Mensch ist schlecht und zerstörerisch, aber...

 

2. Punkt zwei ist, dass wir bei aller Klarsicht aus der "Innenperspektive", als eingebundenes, abhängiges Teilchen eines Systems immer große Schwierigkeiten haben, die blinden Flecken des Systems zu erkennen. Wenn wir nicht sogar so weit gehen, dass wir bewusst das System bedienen, weil wir seine Profiteure sind. Dann wäre das aber schon fast ein satanisch zu nennender Akt, den ich Peterson nicht unterstellen will. Ich vermute hier eher ein "partizipierendes Blindfleck-Syndrom" (^^), welches die AP geschickt vor dem Zugriff sonst vorhandener Klarheit verschleiert.

 

Beide Schuhe müssen wir uns immer mal wieder anziehen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Clemens (Mittwoch, 04 Juli 2018 19:51)

    Blinde Flecken aus der Innenperspektive zu erkennen, das ist so schwer, wie in dem Bild mit dem Schraubenzieher, in dessen Holzgriff eine Schraube geschraubt ist. Wie soll man mit dem Schraubenzieher (ja, okay, Schraubendreher) die Schraube im Griff lösen?

    Wie soll man aus der AP-Perspektive die Funktion der AP erkennen? Scheint unmöglich. Aber zum Glück ist das HS auch INNERHALB der AP, und durch diesen kleinen Spalt hindurch können wir letztlich doch die "Schraube" zu lösen beginnen.

    Haben wir zum HS erstmal einen stabilen Zugang konsolidiert, dann scheint das irgendwann gar nicht mehr schwer. Und es tut auch gar nicht mehr weh.