Tat vor Wort

Dsi Gung fragte nach dem Wesen des Edlen. Der Meister sprach: "Erst handeln und dann mit seinen Worten danach richten."

 

(Kungfutse: "Gespräche (Lun Yü)"

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Kommentare: 2
  • #1

    Clemens (Freitag, 25 Mai 2018 12:21)

    Auf den ersten Blick scheint ungewöhnlich, dass die Tat vor das Reden gesetzt ist. Man sollte aber bedenken dass vor der Tat durchaus das Denken, das Erfahren und das Lernen stehen können/sollten. An anderer Stelle bringt Kungfutse das zum Ausdruck.

    Der Meister sprach: "Ein Edler, der beim Essen nicht nach Sättigung fragt, beim Wohnen nicht nach Bequemlichkeit fragt, eifrig im Tun und vorsichtig im Reden, sich denen, die Grundsätze haben, naht, um sich zu bessern: der kann ein das Lernen Liebender genannt werden."

    Vor Jahrzehnten hörte ich - ich weiß nicht mehr, in welchem Kontext - eine verkürzte, aber umgangssprachlich eingängige Version: "Nicht labern, tun!" Lustig, aber deutlich missverständlicher, als "der Meister" es formulierte.

  • #2

    Ruth Gabriel (Freitag, 25 Mai 2018 21:51)

    Durch ein Gespräch mit R.F., in dem sie mir ihre Deutung der Meisterworte erklärte, habe auch ich noch einmal nach einer anderen möglichen Deutung gesucht.
    Man könnte es auch so verstehen, dass wir mögliche Handlungsalternativen nicht im Vorfeld be- oder abwerten - „richten“ - sollen, sondern wir sie erst einmal ausprobieren, also handeln, und anschließend diese dann vor dem Hintergrund unserer damit gemachten Erfahrungen bewerten – „mit unseren Worten danach richten“ - .