Aus der Bubel 12

Der Weg der Vollendung

 

Einmal wurde der "Jehudi" ersucht, den dreizehnjährigen Chanoch, den nachmaligen Rabbi von Alexander, in der Gemara zu prüfen. Der Knabe musste die ihm aufgegebene Stelle eine Stunde lang besinnen, ehe er sie erklären konnte. Danach legte der Zaddik seine Hand an Chanochs Wange und sagte: "Als ich dreizehn war, erschlossen sich mir schwerere Stellen als diese im Nu, und als ich achtzehn war, galt ich als 'ein großer in der Thora'. Aber es ging mir auf, dass ein Mensch mit dem Lernen allein nicht zur Vollendung kommen kann. Ich verstand, was von unserem Vater Abraham erzählt ist: wie er Sonne, Mond und Sterne erforschte und nirgends Gott fand, und wie sich ihm im Nichtfinden die Gegenwart Gottes offenbarte. Mit dieser Einsicht trug ich mich drei Monate. Danach forschte ich so lange, bis auch ich zur Wahrheit des Nichtfindens kam."

 

(Bubel S. 715)

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