Aus der Bubel VIII

Ohne die Wonne

 

Rabbi Schlomo von Karlin sprach: "Wer alle Gebote der Thora erfüllt, aber den Brand der heiligen Wonne hat er dabei nicht verspürt, wenn der in jene Welt kommt, öffnet man ihm zwar das Paradies; weil er aber auf dieser Welt den Brand der Wonne nicht verspürt hat, verspürt er auch die Wonne des Paradieses nicht. Ist er nun ein Narr und beschwert sich und brummt: 'Und da machen sie so viel Wesens aus dem Paradies!', schon ist er hinausgeschmissen. Hat er aber Einsicht, dann wandert er selber hinaus und zum Zaddik, und der lehrt die arme Seele die Wonne verspüren."

 

(Manesse Bubel S. 427)

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Kommentare: 2
  • #1

    Clemens (Mittwoch, 02 Mai 2018 13:20)

    Formen (z.B. die Erfüllung der Thora-Gebote) sind nur Rahmenbedingungen für Inhalte, und damit nicht Ziele des Weges durch die Trennungswelten. Folglich wird der exkarnierte Formvollender im nachtodlichen Zustand unvollendet und unbefriedigt sein. Ist er dumm, dann wird er in eine neue Runde in den Trennungswelten gezwungen und beschreitet weiter den Karmapfad. Ist er klug, dann weiß er, was ihm fehlt, und er drängt von sich aus zurück ins Fleisch, um dort mit Unterstützung den spirituellen Weg zu beschreiten zu lernen.

    Salman von Ladi sagt in der Manesse Bubel auf S. 415 in einer Unterbrechung seines Gebetes: "Ich will nicht dein Paradies, ich will nicht deine kommende Welt, ich will nur dich allein."

    Paradies und kommende Welt sind letztlich leer, ohne die Gegenwart Gottes, die Wonne. Hat man aber die Wonne, hat man das Paradies.

  • #2

    Nikolaus von Kues (15. Jhdt.) (Donnerstag, 03 Mai 2018 11:14)

    Keine Tugend reicht zur Seligkeit hin, wenn nicht die eingegossene Tugend, d. i. die Liebe, hinzukommt. Wie die Klugheit das Prinzip der menschlichen Tugenden ist, so gibt die Liebe den Tugenden das Gepräge göttlicher Tugenden, welches allein Gott wohlgefällig ist.