Aus der Bubel I

Rechtes Leid und rechte Freude

 

Befragt, welches der rechte Weg sei, der des Leidens oder der der Freude, sagte der Berditschewer: "Es gibt zweierlei Leid und zweierlei Freude. Wenn einer sich über das Unglück, das ihn betraf, vergrämt, in seinem Winkel hockt und an der Hilfe verzweifelt, das ist die widrige Trübsal, von der es heißt: 'Die Schechina wohnt nicht an dem Ort der Schwermut.' Das andere ist der redliche Kummer des Menschen, der weiß, wessen ihn ermangelt.

 

So auch die Freude. Wem's am Wesen fehlt, und er verspürt es in seiner leeren Lust nicht und sorgt nicht, es zu füllen, der ist ein Tor. Der wahre Freudige aber ist wie einer, dem das Haus verbrannte und der seine Not in der Seele erlitt, dann aber begann er ein neues zu bauen, und über jeden Stein, der gelegt wird, freut sich sein Herz."

 

(Manesse Bubel S. 367)

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Kommentare: 1
  • #1

    Clemens (Donnerstag, 19 April 2018 18:43)

    Wegen der Nachfrage:
    Manesse Bubel = Martin Buber, Die Erzählungen der Chassidim, Manesse Verlag