Das Herz

Die Bibel benutzt den Begriff "Herz" als Synonym für den Ursprung der Gedanken, Pläne, Handlungsimpulse und Worte. Mit dem Gehirn konnten die Menschen damals offenbar nicht viel anfangen. Ich meine, einmal gelesen zu haben, dass man beispielsweise im Mittelalter als eine von verschiedenen Hypothesen noch meinte, das Gehirn sei dazu da, den Atem zu kühlen oder zu erwärmen. Klingt lustig.

 

In Jesus Sirach wird dem stellvertretend für alle stehenden jungen Mann geraten (Jesus Sirach 37,13-16): "Und bleibe bei dem, was dir dein Herz rät; denn du wirst keinen treueren Ratgeber finden. Denn mit seinem Herzen kann ein Mann mehr erkennen als sieben Wächter, die oben auf der Warte sitzen. Doch bei alledem rufe den Allerhöchsten an, dass er in Wahrheit deinen Weg ebne. Ehe du etwas anfängst, überleg dir's zuvor; und ehe du etwas tust, geh mit dir zurate."

 

Was auf den ersten Blick etwas nach "höre auf dein Bauchgefühl" klingt, wird im zweiten Teil schon relativiert. Man KANN mit seinem Herzen mehr erkennen, als... Man muss aber nicht. Die Erkenntnisfähigkeit ist etwas, das kultiviert werden muss.

 

An verschiedenen Stellen der Bibel wird das noch deutlicher. Beispielsweise bei:

Ps 141,4 Neige mein Herz nicht zum Bösen, dass ich nicht in Frevel lebe gemeinsam mit Übeltätern; dass ich nicht esse von ihren leckeren Speisen.
Spr 6,18 ein Herz, das arge Ränke schmiedet, eilige Füße, die zum Bösen laufen,
Jer 7,24 Aber sie wollten nicht hören noch ihr Ohr neigen, sondern wandelten nach ihrem eignen Rat und nach ihrem verstockten und bösen Herzen und kehrten mir den Rücken zu und nicht das Angesicht.
Jer 11,8 Aber sie gehorchten nicht, kehrten auch ihre Ohren mir nicht zu, sondern wandelten ein jeder im Starrsinn seines bösen Herzens. Darum habe ich auch über sie kommen lassen alle Worte dieses Bundes, den ich geboten hatte zu halten und den sie doch nicht gehalten haben.
Jer 18,12 Aber sie werden sprechen: Daraus wird nichts! Wir wollen unsern eigenen Plänen folgen und jeder nach dem Starrsinn seines bösen Herzens handeln.

 

Der Verstand (das Herz) an sich ist keine Qualität. Er muss geschult und in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Er bedarf als zweites der Rechtleitung Gottes. Oder wahrscheinlicher als erstes.

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Kommentare: 5
  • #1

    Clemens (Dienstag, 10 April 2018 19:38)

    Oder, um diesen älteren Text in den aktuellen Zusammenhang zu stellen: Der Verstand/ das Herz muss durch den BEOBACHTER geschult und in die richtigen Bahnen gelenkt werden.

  • #2

    Jonas (Mittwoch, 11 April 2018 07:36)

    Wobei der wahre Beobachter nur der ist, der selbst nicht beobachtbar ist.

  • #3

    Clemens (Mittwoch, 11 April 2018 09:23)

    Vielleicht könnte man sagen, dass es vom Beobachter zwei Aspekte gibt? So wie vom HS? Innerhalb und außerhalb der Trennungswelten? Der innerhalb von dem außerhalb beobachtbar? Oder wäre der nicht beobachtbare (nur seibare) Beobachter das HS schlechthin? Unfehlbar ist doch der Beobachter auch nicht.

  • #4

    Jonas (Mittwoch, 11 April 2018 11:06)

    Ja, so hätte ich es auch gesehen, den "seibaren" Beobachter, der sich nicht mehr beobachten lässt, könnte man dem höheren Selbst zuordnen, wobei auch dieser Beobachter nicht unfehlbar ist, da er ja in den Trennungswelten ist und hier noch viel zu lernen hat.

    Worum es mir eigentlich ging und was in der verkürzten Ausdrucksweise nicht deutlich zum Ausdruck kam (mea culpa!) ist der Hinweis, dass die AP hinterlistigerweise in die Rolle des Beobachters schlüpfen kann und uns vorgaukelt, der HS Beobachter zu sein (Verwechslung). Den AP Beobachter kann man dadurch als solchen entlarven, dass man ihn eben von einer höheren Warte aus wiederum beobachten kann.

  • #5

    Clemens (Mittwoch, 11 April 2018 15:07)

    Ja! Manno, die AP kann eigentlich alles! Außer von sich aus 'ne vernünftige spirituelle Entwicklung hinlegen. ^^