Fleiß

Die Bibel ist in Sprüche 6,6 mit ihrem Lob für das beharrliche, unbeirrbare (fleißige) Tun recht deutlich: "Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Weise und lerne!"

Obwohl - vielleicht ist ja etwas ganz anderes gemeint. Denn beharrlicher, unbeirrbarer "Kadaverfleiß", der gar nicht anders kann und keine Wahl hat, scheint mir keine Tugend zu sein. Und auch als Gegensatz zum Müßiggang kann mich Fleiß einfach nicht wirklich überzeugen. Klar, wenn man auf allen Ebenen andauernd müßiggeht, dann läuft möglicherweise etwas schief. Aber offensichtlich kann man auch in der Hängematte und mit einem Strohhalm im Mund recht fleißig sein. Etwa Innenschau und Selbstanalyse betreiben. Oder aktive Planungsarbeit leisten. Fleißig über Tugenden nachdenken.

Der Wert des Fleißes ist einfach vom Zusammenhang abhängig. Und von der Freiheit (auch sich selbst gegenüber) mit der der Zusammenhang gewählt wird/werden kann. Da ist in letzter Konsequenz sogar fleißiger Müßiggang denkbar: Sich selbst, seine Nächsten und die Welt einfach mal aktiv in Ruhe lassen, so sein lassen. Auch freilassen. Vertrauen und sein.

 

Oskar Wilde hatte jedenfalls ein gespanntes Verhältnis zum Fleiß. Von ihm sind verschiedene Sprüche überliefert, die mangelnde Wertschätzung beweisen. Oder vielleicht auch einen ausgeprägten Oppositionsgeist. Etwa: "Fleiß ist die Wurzel aller Häßlichkeit." Wenn wir die fortschreitend zerstörte, immer tiefer beschmutzte Welt sehen, dann ist etwas daran. Oder persönlicher und verletzender: "Fleiß ist die letzte Zuflucht des Versagers."

 

Mit dem volkstümlichen Kalenderspruch "Fleiß zahlt sich in Zukunft aus. Faulheit sofort." hat man zumindest die Lacher auf seiner Seite...

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