Mäßigung

Deutlich klingt hier das rechte Maß an. Die Antitugend (Todsünde) ist zwar nominell die Völlerei, bei der man eher an fressen, kotzen und weiterfressen denkt, aber mir scheint es mehr um das Anliegen Buddhas zu gehen, der, selbst streckenweise Hardcore-Asket, nach seiner Erleuchtung das Vermeiden von Extremen forderte. Also auch des Extrems der extremen Askese. Wenn wir beim Essen bleiben, sowohl überernährungsbedingte Adipositas, als auch Magersucht.

 

Das Mäßigungsideal wäre dann die goldene Mitte selbst, oder eine nicht allzu ferne Bewegung um diese Mitte herum (Amplitude).

 

Die Fähigkeit des Maßhaltens lässt sich natürlich leicht auf alle Bereiche des Lebens übertragen - will sagen, auch auf den spirituellen Bereich. Wir müssen innerhalb der Trennungswelten für Ausgewogenheit sorgen. Hier beispielsweise alles nur intellektuell anzugehen, ist falsch. Alles nur emotional anzugehen, ist falsch. Alles nur Intellekt und Emotion loslassend anzugehen, ist falsch. Alles überhaupt nur auf eine Weise anzugehen, ist falsch. Alles zwanghaft aus diversen Richtungen anzugehen, ist falsch. Man sieht die Schwierigkeit. Es ist nicht recht in Worte zu fassen. Es ist aber auf die rechte Weise zu tun. Das Mäßigungsideal ist ein Türöffner, kein Wegweiser.

 

Und: Es gibt offensichtlich auch eine Menge "Mittelwege", bei denen die Mitte recht eng bzw. genau an einem Rand verläuft. Der Konsum harter, physiologisch und psychologisch gefährlicher Drogen, das Schänden von Kindern, das Verkonsumieren der Welt etc. - da kann man schlecht davon sprechen, dass der Mittelweg auf einer 50/50-Linie liegt, oder?

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Kommentare: 1
  • #1

    Ruth Gabriel (Mittwoch, 21 März 2018 17:45)

    Mäßigung, das rechte Maß oder Angemessenheit. Angemessen in jeglicher Situation reagieren zu können. Wie finden wir heraus, welcher Umgang mit der jeweiligen Situation angemessen ist? Was ist das rechte Maß? Wir können uns also nicht darauf verlassen, dass der Weg der Mitte eine 50/50-Linie hat und wir auf dieser dann einfach nur gehen müssen. Vielmehr könnte der Weg der Mitte der komplette Raum zwischen den jeweiligen Polen sein. Und die Herausforderung liegt darin, aus einer der vielen Möglichkeiten in diesem Raum diejenige Wirklichkeit werden zu lassen, die im Einklang mit Gott steht. Vom Prinzip her so ähnlich, wie beim bildhauen einfach nur das wegzunehmen, was nicht nach dem aussieht, was in dem Stein frei gelegt werden soll. Beides erfordert Erkennen, Geschick, Sorgfalt, handwerkliches Können für die Umsetzung und viel Erfahrung. Es erfordert, dass wir durch Weg-Arbeit mehr und mehr zum brauchbaren Kanal werden, uns mutig für Möglichkeiten entscheiden, reflektieren, Fehler erkennen, aus diesem Erkennen unsere AP modifizieren und als Grundlage für neue Möglichkeiten und neue Fehler, Erfahrungen und Erkennen nutzen. Immer flexibler und unmittelbarer.