Mäßigung (II)

Rabbi Jakov ben Katz war mit Pinchas und Seckel, zweien seiner Schüler, auf dem Weg zur Schul. Pinchas war der fleißigste und auch der ehrgeizigste unter allen seinen Schülern, der nach der Schul meist noch angestrengt in der Bibliothek in den Schriften las, während Seckel des Öfteren nach getaner Arbeit ruhend unter einem Baum anzutreffen war. Die drei ließen sich Zeit und schlenderten gemütlich über den Markt, angeregt in ein Gespräch vertieft, als plötzlich ein zerlumpt aussehender Fremder sie um ein Almosen anbettelte. Seckel kramte eilig in seinen Taschen nach etwas Geld, fand allerdings nur eine einzige Münze, da er sein letztes Geld großzügig für sein leibliches Wohl ausgeben hatte. Beschämt schaute er zu Rabbi ben Katz hinüber und reichte dem Fremden die einzelne Münze.

 

Pinchas zog eine Augenbraue hoch und zückte kurzerhand mehrere Münzen, die er dem Bettler übergab.

 

Auf dem restlichen Weg zur Schul ermahnte Rabbi ben Katz seinen Schüler, dessen Neigung zu Brot und anderen Leckereien ihm nicht verborgen geblieben war, zur Mäßigung.

 

Einige Tage später stießen die drei erneut auf den Bettler. Diesmal hielt Seckel, welcher sich seit dem letzten Mal versucht hatte in Sparsamkeit zu üben, stolz zwei Münzen hin.

 

Pinchas begutachtete mit hochgezogenen Augenbrauen Seckels Freude über seinen winzigen Fortschritt und zog seinerseits fünf Münzen aus seiner Tasche.

 

Verwirrt über das Ausbleiben einer weiteren Ermahnung Seckels drehte sich Pinchas zu Rabbi ben Katz um. Der Rabbi lächelte und ermahnte Pinchas zur Mäßigung.

 

(Phia)

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Simon (Dienstag, 20 März 2018 21:29)

    Cool!

  • #2

    L. (Mittwoch, 21 März 2018 14:44)

    *