Geduld

Bei Geduld fällt einem zuerst die Fähigkeit warten zu können ein. Es fällt schwer, geduldig jede rote Ampel hinzunehmen, wenn man es eilig hat. Auch das Warten beim Arzt, auf den Bus, die Verabredung, den Urlaub usw. fällt schwer. Ebenso aber auch das Ertragen von schwierigen und schmerzhaften Situationen. Geduld ist die Fähigkeit, das Leben so anzunehmen, wie es sich jetzt gerade zeigt. Auch den Anderen so anzunehmen, wie er jetzt gerade ist und seine Freiheit anzuerkennen. Auch, wenn er unserer Ansicht nach, „Falsches“ tut. Wir können dem Anderen Angebote machen – Angebote zum Lernen, zum Reflektieren, zur Unterstützung usw. –, entscheiden muss und darf er selbst und wir müssen dies akzeptieren. Damit ist keine fatalistische Haltung gemeint, sondern eine starke Zuversicht, dass „am Ende alles gut wird“.


Das Gegenteil von Geduld ist Ungeduld, das Nicht-Aushalten-Können, wenn etwas nicht unseren Vorstellungen und Wünschen entspricht. Das hat auch etwas von Hochmut, bzw. mangelnder Demut. Wir dulden es nicht, dass die Dinge nicht so laufen, wie wir sie uns vorstellen. Wir dulden es nicht, wenn unsere Anstrengungen nicht das gewünschte und ersehnte Ergebnis bringen. Doch dabei vergessen wir, dass wir ohne IHN nichts tun können.

 

(Ruth Gabriel)

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Kommentare: 2
  • #1

    Ruth Gabriel (Freitag, 16 März 2018 10:53)

    Ich habe noch eine schöne Ergänzung im "Briefwechsel" auf Seite 121/122 gefunden:
    "Deine "Klagen" über die zeitlich begrenzten Zeiten klarer Ausrichtung und das Kindergartenniveau kann ich nachvollziehen. Ich bemühe mich aber, diese Perspektive abzulegen und das auch sprachlich im Umgang mit anderen Menschen immer mehr zu reduzieren. Wir sind es (kulturell?) gewohnt immer alles auf diese Weise wahrzunehmen und zu beschreiben. Die Perspektive der Weg-Arbeit ist aber eine andere und nach meinen Erfahrungen auch eine deutlich förderlichere: Wir akzeptieren, dass wir uns auf dem Weg befinden, schauen freudig und dankbar auf das, was wir schon erreicht haben, und sehen auch den vor uns liegenden Weg voller Vorfreude und in der Gewissheit, dass wir ihn zurücklegen werden. Im Umgang mit anderen Menschen sind die daraus resultierenden Elementale auch für sie besser und fördern Zufriedenheit selbst bei nicht spirituellen Menschen - und damit Friedfertigkeit und liebevollere Umgangsformen. Als Wahrheitsforscher und Weg-Arbeiter müssen wir tatsächlich überall unsere Verantwortung suchen. In allem gibt es Möglichkeiten ein spirituelleres Leben zu führen. In unserer Sprache, unserem Konsumverhalten, der Grundhaltung unseren Mitmenschen gegenüber... man kann auch immer mehr ins Detail gehen und wird immer wieder neu fündig und überall sehen wir, dass wir Absolutheitsansprüchen nicht genügen, aber trotzdem graduelle Veränderungen vornehmen können. Das zu tun, ohne vor der Fülle an Möglichkeiten zu verzweifeln bedeutet Weg-Arbeit."

  • #2

    Ruth Finder (Freitag, 16 März 2018 15:03)

    Zu dem Thema gebe ich gerne Marias Kommentar zu Thogme wieder:


    27. Für einen Bodhisattva, der den Reichtum guter Handlungen anzusammeln wünscht, gleichen alle die ihm schaden einem kostbaren Schatz. Daher frei von Abneigung und Haß Geduld zu üben ist die Übung der Bodhisattvas.

    Maria:
    "Der in der Übung angesprochene Schatz ist das nutzen jeder Situation, wie schwierig sie auch ist. Die Kostbarkeit dieses Schatzes entsteht daraus, dass er eben nicht einfach zu erlangen ist. Die Anforderungen sind hier wesentlich höher geschraubt, als wenn es uns gerade gut geht; dann ist es einfacher, sich richtig zu verhalten - und da schaffen wir es oft schon nicht. Sich unter dem Einfluss der drei Geistesgifte Gier, Hass und Unwissenheit/ Verblendung und den daraus resultierenden unheilsamen Emotionen richtig zu verhalten, stellt eine große Herausforderung dar. Geduld wird im buddhistischen Zusammenhang als Gegenmittel zu Hass betrachtet (Tulku Lobsang). Es nimmt hier in der Übungsanweisung eine herausgestellte Position wahr. Warum? Weil Geduld uns gerade in emotional engen Situation (ob mit äußeren oder inneren „Feinden“) Zeit verschafft: Zeit und Raum für andere Handlungsmuster als solche, die sonst aus dem schnell und automatisiert reagierenden AP entstehen, die in solchen Situationen oft nur auf innere und äußere Eskalation drängt. Wenn man es schafft, eine unheilsame Emotion einige Minuten lang nicht durch unheilsame Gedanken anzufachen und zu vitalisieren, kann man sie leichter oder früher hinter sich lassen. Um Emotionen aufrecht zu erhalten, brauchen wir etwas, das sie anfacht – bei unheilsamen wie heilsamen Emotionen. Das bedeutet in diesem Zusammenhang, dass uns Geduld eine Lücke im automatisierten Verhalten der AP verschaffen kann, in der wir vielleicht einen heilsamen Gedanken hervorbringen, der nicht die inneren „Feinde“ weiter vitalisiert, sondern einen Ausstieg ermöglicht."