Philokalie

Gottesfürchtige Unterweisungen von Awwa Dorofej

 

Ein jeder urteilt über andere nach seiner Gemütsart… Nehmen wir an, jemand steht nachts an einem Ort, und drei Menschen gehen vorbei. Als sie ihn sehen, denkt einer von ihnen: Er wartet auf jemand, um Unzucht zu treiben; der zweite: Es ist wohl ein Dieb; der dritte: Er hat sich mit irgendjemand aus einem benachbarten Haus dazu verabredet, gemeinsam irgendwohin beten zu gehen, und wartet jetzt auf ihn.

Ich habe von einem Bruder gehört, dass er, wenn er irgend einen der Brüder besuchte und dessen Klause ungefegt und nicht aufgeräumt sah, sich sagte: Selig ist der Bruder, dass er die Sorge um alles Irdische beiseite gelegt und seinen ganzen Geist derart auf den Berg gerichtet hat, dass er nicht einmal die Zeit dafür findet, seine Klause in Ordnung zu bringen. Und wenn er zu einem anderen kam und dessen Klause aufgeräumt und sauber gefegt sah, sagte er sich abermals: Wie die Seele dieses Bruders rein ist, so sauber ist auch seine Klause, und der Zustand der Klause stimmt mit dem seiner Seele überein.

Wünsche nicht, dass alles nach deinem Willen geschieht, sondern so, wie es eben wird - auf diese Weise wirst du mit allen in Frieden sein.

Glaube, dass Beschimpfungen und Vorwürfe Arzneien sind, die den Stolz deiner Seele heilen, und bete für deine Beschimpfer wie für wahre Seelenärzte…

Als Antwort auf lügenhafte Anschuldigungen sage: Vergib mir und bete für mich! Wenn man dich dann fragt, ob das auch so und so war, erzähle die Wahrheit, danach verbeuge dich demütig uns sage erneut: Vergib mir und bete für mich!

Niemals sollte man seinen Willen dem Willen seines Bruders vorziehen.

 

 

Gottesfürchtige Unterweisungen Isaaks des Syrers

Der Demütige bleibt nie stehen, um eine Versammlung anzuschauen, einen Volksauflauf, Aufregung, Lärm oder Geschwelge, er beachtet nicht Worte, Gespräche, Schreie und Zerstreuung der Sinne: Wünschenswert ist für ihn nicht, viel zu haben und unaufhörlich am Werk zu sein, sondern allzeit frei zu sein und ohne Sorge.

In der Demut gibt es nie Eile, Überstürzung, Verwirrung, hitzige und leichtfertige Gedanken - vielmehr verweilt der Demütige allzeit in Frieden. Es gibt nichts, was ihn verblüffen oder entsetzen könnte… Seine ganze Freude und Heiterkeit ruhen darin, was seinem Herrn angenehm ist. Der Demütige - wenn er sein Gesicht zur Erde beugt und sein innerer Herzensblick zum Tor ins Allerheiligste emporgehoben ist -, wagt nur so zu sprechen und zu beten: Nach Deinem Willen, o Herr, geschehe es mit mir!

Die Wüste bringt Leidenschaften zum Schlafen. Wenn aber vom Menschen nicht nur das eine verlangt wird, seine Leidenschaften zum Schlafen zu bringen, sondern auch, sie auszurotten, zu überwinden… Doch schlummernde Leidenschaften erwachen, sobald sie einem Anlass begegnen, wieder zur Geltung zu kommen.

Wer Gott lieben lernen will, muss umso mehr für die Reinheit seiner Seele Sorge tragen — und Reinheit der Seele wird erlangt durch Bezwingung und Ausrottung der Leidenschaften. (Wer die Leidenschaften nicht besiegt, der wird nicht hineingehen) in den makellosen und reinen Bereich des Herzens.

Hege keinen Hass auf Sünder, denn wir alle stehen in der Verantwortung.

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