Beziehung zu Gott

"Die Beziehung zu Gott unterliegt nicht selten großen Illusionen, weil wir der Ansicht sind, unsere Beziehung zu Gott hänge nur von unserer Absicht ab. Wenn wir Gott lieben wollen, meinen wir, wir liebten ihn tatsächlich. Dies denken wir anfänglich auch in den Beziehungen zu den Menschen. Waren wir zum Beispiel ungeduldig, meinen wir, es sei zufällig geschehen. Wir sind leicht zu überzeugen, dass es sich nicht wiederholen wird. Gegen unsere Absicht passiert es zum zweiten und zum dritten Mal. Es wiederfährt uns so oft, bis wir unter dem Druck der Tatsachen zugeben müssen, dass trotz bester Absichten tief in uns etwas uns daran hindert, tatsächlich liebevoll sein zu können. Diesen Faktor nennen wir das Unterbewusste oder das Unbewusste. Unter dem Druck der Tatsachen akzeptieren wir, dass das Unbewusste unsere Beziehung zu den Menschen beeinträchtigt."

 

(Franz Jalics, "Kontemplative Exerzitien")

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Kommentare: 1
  • #1

    Ruth FInder (Freitag, 02 März 2018 17:51)

    Aus dem Buch "Gog und Magog" von M. Buber

    Rabbi Jaakob Jizchak von Przysucha ("Der Jude") fuhr fort:

    "Ähnlich wie Rabbi Mosche Löb von Sassow hat auch später Rabbi David von Lelow zu mir gesprochen: Anders als seinen Mitmenschen liebend würde man nichts zustandebringen.

    Und ich habe erkannt, dass dies die Wahrheit ist. Aber es ist nicht die ganze Wahrheit. Es ist die Wahrheit für alles, was zwischen mir und meinen Mitmenschen geschieht, denn das ist der Ort, wo der Satan an seine Grenzen kommt, weil es die Liebe wirklich gibt und weil sie keine Grenze hat.

    Aber es ist mir nicht genug, um die Wahrheit über das Böse in der Welt zu wissen. Das Böse in der Welt ist mächtig, das Böse ist der Welt mächtig. Und was das Böse ist, erfahre ich freilich nicht, wenn ich meinem Mitmenschen begegne, denn entweder kriege ich es dann nur von außen zu fassen, mit Fremdheit, mit Hass oder Verachtung, und dann tritt es mir gar nicht in den Blick, oder aber ich überwinde es mit meiner Liebe, und auch dann tritt es mir nicht in den Blick.

    Aber ich erfahre es, wenn ich mir selber begegne. Da drin, wo keine Fremdheit trennt und keine Liebe rettet, erfahre ich, dass es etwas gibt, das mich zwingen will, Gott zu verraten, und das sich dazu der besten Kräfte meiner eignen Seele bedient. Da verstehe ich, dass das Böse der Welt mächtig ist und dass ich seiner durch das, was ich an meinen Mitmenschen tue, nicht Herr werde, weil es sich der Liebeskraft selber bedient, um zu vergiften, was wir heilen. Aber so darf es nicht bleiben, es ist noch nicht das Ganze.

    Da ist noch irgendwo ein Geheimnis. Ich muss zu dem Geheimnis gelangen, zu dem mich keiner führen kann. Ich muss dahin gelangen, wo man lernt, das Böse zu hindern, dass es sich des Guten bediene, um das Gute zu zertreten. Ich meine das Gute, das es auf der Erde gibt, das sterbliche Gute - wenn das versucht, sich des Bösen zu bedienen, geht es in ihm unter. Unmerklich, ohne dass es selber es merkt, löst es sich ihn ihm auf und ist nicht mehr da."