Thogme 37.37

37. Die Tugenden, die ihr auf diese Weise durch euer Streben erworben habt, mit jener Weisheit, die makellos die drei Aspekte begreift, der Erleuchtung zu widmen, um unzählige Wesen vom Leiden zu befreien, ist die Übung der Bodhisattvas.

Die Tugenden der Erleuchtung (aller Wesen) widmen? Also "widmen" im Sinne von "einsetzen für". Als vorrangiges Ziel! Denn gewiss werden auch einfach vorhandene Tugenden die Welt etwas besser machen und somit der Erleuchtung aller Wesen näher bringen. Aber es ist eben doch ein Unterschied, ob man seine Tugenden einsetzt, um in der eigenen KFZ-Werkstatt die Kunden nicht übers Ohr zu hauen, um tugendhafte Mädels zu beeindrucken und rumzukriegen, um sich einfach besser als die Anderen zu fühlen - oder eben, um alle Wesen der Erleuchtung näher zu bringen.


Dann müsste man aber schauen, wie man alle Wesen der Erleuchtung näher bringt. Thogme denkt hier sicher daran, ein sichtbares Zeichen für das erfolgreiche Beschreiten des Bodhisattva-Weges zu sein. Das Bodhisattva-Ideal zu propagieren. Und die nötigen Lehr-Inhalte zu vermitteln.


Die Spirituelle Gemeinschaft kürzt das für Weg-Arbeiter ab zu: "Seid einander Lehrer und Schüler zugleich." Das "Einander" kann man natürlich enger und weiter gefasst verstehen, aber Selbstverbesserung und Angebot zum Teilen der Erfahrungen klingen deutlich an.

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Kommentare: 3
  • #1

    Maria (Sonntag, 25 Februar 2018 12:54)

    Über das Lehren - Ein permanentes Ein- und Ausatmen

    Die letzten Tage ist mir etwas klarer geworden, was mit dem Lehrauftrag der Schüler (Schüler-Lehrer, Lehrer-Schüler) zu tun hat.

    Eindimensional oder landläufig betrachtet, sieht man Lehren als Tätigkeit, wo man jemanden, der weniger weiß oder erkennt und Unterstützung benötigt, etwas sagt oder empfiehlt, ihn sozusagen direkt be-lehrt. Das hat eine große Bedeutung auf dem spirituellen Weg, da man jede Informationen nicht haben, falsch verstehen und mangelhaft umsetzen kann. Und gerade das Erkennen und Wissen anderer ist da notwendig, wo man selbst weniger erkennen kann. Es ist unterlassene spirituelle Hilfeleistung, wenn man sein Wissen, seine Erfahrung und seine Fortschritte nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit teilt. Vorrangig innerhalb der Gemeinschaft (auf dem Weg zum Bodhisattva), aber in geeigneter Form auch bei allen anderen Menschen. Positiver Nebeneffekt ist, dass durch das Fragen stellen und Lehren das Wissen nicht wieder auf niedere Ebenen absinkt, sondern vertieft und zu gelebtem Wissen, zu Sein wird. Darüber hinaus ist Lehren aber auch auf andere Aspekte bezogen ein sehr vielschichtiger Prozess.

    Lehren kann auch bedeuten, jemandem ohne Worte, durch die eigene Weg-Arbeit und die Umsetzung der eigenen Erkenntnisse, durch das gelebte heilsame Beispiel, nützlich zu sein. Sozusagen eine direkte-indirekte Be-Lehrung. Eine wichtige gegenseitige Inspiration und Unterstützung der Weg-Arbeiter untereinander.

    Eine Belehrung kann auch sein, dass man jemanden ganz praktisch bei einer eingegrenzten, vielleicht auch alltäglichen Sache, unterstützt und zur Hand geht.

    Es kann als Lehrender sehr schwer sein, die Entwicklungsprozesse des anderen, die sich lange leidvoll und (die Lösung ein-)kreisend, für den Außenstehenden meist viel deutlicher zeigen, auszuhalten. Aber auch eine wichtige Übung, das zu tun. Passiv-aktiv zu lehren bedeutet hier: Jemanden, der leidet, sein Mitgefühl zu geben, mit ihm das Leid sprichwörtlich zu teilen, Da-Sein, ohne sofort auf eine andere Handlungsebene zu gehen. Mitgefühl und Da-Sein sind die direkteste, beste (und vorerst einzige) Hilfe, die man jemanden geben kann und die immer wirkt. In direkten, konkreten Belehrungen liegt die Gefahr, dass sich darin eine (innere) Ablehnung des Leidens des anderen versteckt. Das ist zu überprüfen, wenn man schnell mit gezielten und klaren Empfehlungen oder Vorschlägen zur Hand ist. Es muss eingeschätzt werden, inwieweit eine direkte Belehrung zielführend für den anderen ist. Das erfordert beim Lehrenden ein genaues Erkennen der Situation des anderen und des geschicktesten Mittels. Beim Schüler erfordert es Nachsicht im Umgang mit dem sich entwickelnden Schülerlehrer und ein Anerkennen und Wertschätzen der Tatsache, dass sich dieser bemüht. Und bei beiden führt das zu einem vertieften Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen, die produktiv genutzt, die gemeinsame Entwicklung intensiviert und potenziert.

    Mit der Geschicktheit der Mittel zu arbeiten, heißt auch hier: Erkennen, 1. was und 2. wie es zu tun ist, 3. es tun und 4. aus den daraus resultierenden Erfahrungen zu lernen und wieder bei 1. beginnen. Und die Schritte 1-4 immerfort zu wiederholen.

    Im nächsten Kommentar gehts weiter.....

  • #2

    Maria (Sonntag, 25 Februar 2018 12:55)

    Fortsetzung vom vorheriger Kommentar...

    Lehren ist ein Begegnen. Man lehrt mit dem, was man ist, was man weiß und schon verwirklicht hat. Man übt sich in der weiteren gemeinsamen Verwirklichung (statt Verwicklung) und erlernt die Geschicktheit der Mittel. Wo begegnet der Lehrer dem Schüler? Er begegnet ihm da, wo der Schüler ist. Wir lernen als Schüler-Lehrer, die wesentlichen Inhalte in die Form zu bringen, die der jeweilige Schüler verstehen kann. Wer oder was lehrt? Das Höhere Selbst? Die AP? Lehrinhalte sind dem Höheren Selbst (innerhalb und außerhalb der Trennungswelten) und der göttlichen Ebene zuzuordnen. Wir lehren mit dem Sein (HS), aber nutzen unsere Vehikel (AP) in den Welten der Trennung, um dieses Sein auszudrücken. So ermöglichen wir es auch anderen, von unserem entwicklungsspezifisch „besseren, anderen, größeren“ Zugang zum HS und Gott zu profitieren. Mit dem Lehren gehen verstärkte Rückkoppelungsprozesse zwischen den zwei Ebenen (HS, AP) einher (lernen), wodurch wir (HS) weiter wachsen können. Auch dadurch, dass der Schüler uns gleichzeitig zum Lehrer wird und wir uns auch mit seinem unterschiedlich geprägten Zugang zum HS verbinden können. Und wir es so wechselweise immer besser schaffen, das Höhere bis in die letzte Zelle der AP zu verwirklichen.

    Belehrung wirkt immer in mindestens zwei Richtungen: Der Lehrende wird durch das Sein und Tun, das Mit-Sein mit dem anderen ebenso belehrt wie er als Lehrer wirkt. Da wir bezogen auf unsere wahre Natur ungetrennt voneinander sind, kann dies auch nur so sein. Auf der praktischsten Ebene denkt man hier vielleicht an Lerning-by-Doing des Lehrers auf der methodischen oder persönlichen Ebene. Aber auch das ist nur eine Ebene. Denn es gilt auch für den Lehrenden, sich inspirieren zu lassen durch die unterschiedlichen Verständnismöglichkeiten, Lösungswege und Erfahrungen, das Anders-Sein. Und immer wieder zu erkennen, dass der scheinbare eigene Vorsprung schnell eine Fallgrube wird, wenn man sich mit ihm identifiziert.

    Belehrungen finden auf allen Ebenen, in alle Richtungen und zu allen Zeiten statten. Meist erkennen oder wählen wir nur Ausschnitte, je nachdem, wo wir als Schüler und Lehrende (Schüler-Lehrer, Lehrer-Schüler) stehen, was wir selbst schon erkennen oder wahrnehmen können. Und wie offen wir auch hier für die Be-Lehrungen des anderen sind. Deswegen ist Lehren immer mit eigenem Lernen verbunden, das eine geht nicht ohne das andere, sonst ist kein Fortschreiten auf dem Weg möglich.

  • #3

    Ruth Finder (Sonntag, 25 Februar 2018 15:46)

    Der folgende Abschnitt aus dem Buch "Gog und Magog" von M. Buber zeigt aus meiner Sicht die Essenz jeder Lehrerschaft auf. Ein hohes und weites Ziel ist so eine Haltung, so ein Mit- und Da-Sein.

    Rabbi Mosche Löb von Sassow hat sich nie darum bekümmert, ob jemand, dem er half, als fromm und rechtschaffen oder als Ausbund aller Schlechtigkeit galt. Er vertrug es überhaupt nicht, wenn man einen Menschen böse nannte. "Ein Mensch tut wohl Böses", pflegte er dann zu sagen, "wenn ihn der böse Trieb überwältigt, aber dadurch wird er doch nicht selber böse, kein Mensch meint das Böse, entweder gerät er hinein, er weiß gar nicht wie, oder aber er hält das Böse für das Gute. Du musst ihn eben lieben, diesen Menschen, der Böses tut, du musst ihm liebend helfen, dem Wirbel zu entkommen, in den ihn der Trieb zieht, du musst ihm liebend erkennen helfen, was oben und was unten ist, anders als liebend wirst du nichts zustandebringen, sondern er wird dich zur Tür hinausschmeißen, und er wird recht haben. Nennst du ihn aber böse und hassest und verachtest du ihn dafür, dann machst du ihn böse, auch wenn du ihm dann helfen willst, erst recht, wenn du es willst, du machst ihn böse, denn du machst ihn verschlossen. Erst wenn der Mensch, der Böses tut, sich in der Welt seiner Handlungen verschließt, erst wenn er sich in ihr verschließen lässt, wird er böse."