Thogme 37.29

29. Wenn ihr gelernt habt durch Vipashyana (lag-thong), fest gegründet auf Shamatha (shi-nä), die Geistesgifte zu bezwingen, euch in meditativer Sammlung zu üben, die jenseits der „vier formlosen Stufen“ ist, ist die Übung der Bodhisattvas.

 

Erstmal ist die obige Übersetzung so wohl nicht leicht verständlich. Mir scheint dazu mindestens ein Wort zu fehlen. Und dazu kann auch noch etwas mehr geschraubt werden. Mein Vorschlag einer Richtigstellung: „29. Wenn ihr gelernt habt, durch Vipassana (Einsichtsmeditation) – fest gegründet auf Shamatha (ruhiges Verweilen) – die Geistesgifte zu bezwingen, euch dann in meditativer Sammlung zu üben, die jenseits der „vier formlosen Stufen“ ist, das ist die Übung der Bodhisattvas.“

 

Etwas verwirrend ist das dann aber immer noch. Wenn man annimmt, das die „vier formlosen Stufen“ die vier formlosen Meditationsvertiefungen (Jhanas) darstellen sollen, die selbst schon fortgeschrittendste Vertiefungen nach den ersten vier Meditationsvertiefungen sind, dann folgt darauf nur noch der Endzustand vollkommenen Verlöschens von Empfindung und Wahrnehmung. Eine ziemlich krasse Hundertprozentigkeit nach der selbst schon krassen Formulierung des „Bezwingens der Geistesgifte“. Nehmen wir letzteres als graduell, dann scheint das Üben meditativer Sammlung auf der höchsten denkbaren Stufe (also jenseits der acht Jhanas) recht verfrüht.

 

Eine englische Textversion spricht übrigens gar nicht von Vipassana und Shamatha: „29. Knowing that through profound insight, thoroughly grounded in sustained calm, the disturbing emotions are completely conquered, to practice the concentration which utterly transcends the four formless states is the practice of a Bodhisattva.“

 

Das hieße dann nach meinem lückenhaften Verständnis etwa: „29. Wissend, dass die störenden Emotionen durch tiefgründige Einsicht, die in ununterbrochener Ruhe begründet ist, vollständig überwunden werden, jene Konzentration zu praktizieren, die die vier formlosen Zustände vollkommen transzendiert, ist die Praxis eines Bodhisattvas.“

 

Das klingt ziemlich anders. Die Hürde ist aber immer noch hoch.

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