Thogme 37.36

36. Kurzum, wo immer ihr auch seid, was immer ihr tut, euch zu fragen, wie der Zustand eures Geistes ist, ständig achtsam und bewusst zu sein und zum Wohle der Anderen zu arbeiten, ist die Übung der Bodhisattvas.

Ja, kurzum. Thogme fasst seine Zusammenfassung nochmal noch enger zusammen. Das ist, wie wenn man die sieben Wahrheitsforscher-Versprechen zusammenfasst zu: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wobei bei diesem Satz das von Thogme mitbenutzte „ständig“ fehlt, obwohl es sicher mitgemeint ist.


Gerade das „ständig“ scheint mir ein wichtiger Knackpunkt zu sein. Es gibt es hier großen Spielraum für Demut, denn innerlich mögen wir uns ja schon feiern, wenn wir das kurzgefasste Ziel (egal ob christlich oder buddhistisch) nur ein paar Mal am Tag umgesetzt bekommen, aber auch mit zwanzig Umsetzungsprozenten, fünfzig, oder siebzig, bleibt beim nicht umgesetzten Rest Raum für gruseligstes Fehlverhalten.


Wir neigen auch generell zu selektivem Vorgehen. Den Nächsten zu lieben, wenn es einem gut geht und der Nächste auch gerade nichts von einem will, ist keine Leistung. Aber wenn die Hütten brennen und der Nachbar rausgetragen werden will, bevor man seinen eigenen Kram ins Freie geschleppt hat...


Mit dem „ständig“ sind wir wieder beim jetzt und jetzt und jetzt. Bei der harten Arbeit, die Beobachtung des Geisteszustandes (der Geisteshaltung) in Verbindung mit einem gewünschten Inhalt vom „Was“ über das „Wie“ und das beharrliche „Tun“ mit daraus resultierenden Erfahrungswerten in einen Dauerzustand, eine Charakterdisposition umzuwandeln – und im weitesten zu teilbarem Karma (eine Steigerung dessen, was man gewöhnlich bei „zum Wohle der Anderen arbeiten“ vor Augen hat).

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