Thogme 37.27

27. Für einen Bodhisattva, der den Reichtum guter Handlungen anzusammeln wünscht, gleichen alle die ihm schaden einem kostbaren Schatz. Daher frei von Abneigung und Haß Geduld zu üben ist die Übung der Bodhisattvas.

 

Die zu lieben, die einen selbst lieben, ist keine große Hürde - schwierig allenfalls auf AP-Ebene, wenn man ihnen gleichgültig gegenübersteht oder sie gar hasst. Hier könnte Übung 27 schon im Kleinen ansetzen.

 

Im Großen aber "die Feinde" zu lieben, das ist wirklich schwer umzusetzen. Entsprechend groß ist der Verdienst, und über die Größe des Verdienstes die Umdeutung der Feinde in quasi segensreiche Unterstützer vorzunehmen, ist der Anfang der tatsächlichen Befreiung von Abneigung und Hass. Der Anfang deswegen, weil wir uns ja letztlich auch frei von dem Streben nach Verdienst befreien sollen - wesgegen die Schatz/Verdienst-Motivation ja eigentlich eine falsche ist.

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Kommentare: 1
  • #1

    Maria (Dienstag, 13 Februar 2018 22:27)

    Unbuddhistisch gedeutet, könnte man diese Übung auch auf unsere „Innenwelt“, die aktuelle Elementalstruktur übertragen, hier die unheilsamen Elementale. Hass und Abneigung bedeuten, dass wir etwas nicht haben wollen. Alles was wir ablehnen, können wir nicht betrachten, nicht verändern. Damit verfestigen wir das bisherige (unheilsame) Verhalten. Die Annahme dessen was ist, auch wenn es unheilsame und schwierige Dinge in uns sind, ist die Voraussetzung für eine Modifikation unserer AP, einer wirklichen Veränderung. Wenn wir mit unheilsamen Elementalen konfrontiert werden, lehnen wir sie nicht ab, sondern nehmen sie als Lehrmeister, als Herausforderung an, als das, was im jetzigen Moment zu tun ist.

    Also:
    1. Schritt: Annehmen, Hinsehen was da ist.
    2. Schritt: Das Erkannte für die Veränderung nutzen.

    Der in der Übung angesprochene Schatz ist das nutzen jeder Situation, wie schwierig sie auch ist. Die Kostbarkeit dieses Schatzes entsteht daraus, dass er eben nicht einfach zu erlangen ist. Die Anforderungen sind hier wesentlich höher geschraubt sind, als wenn es uns gerade gut geht; dann ist es einfacher, sich richtig zu verhalten - und da schaffen wir es oft schon nicht. Sich unter dem Einfluss der drei Geistesgifte Gier, Hass und Unwissenheit/ Verblendung und den daraus resultierenden unheilsamen Emotionen richtig zu verhalten, stellt eine große Herausforderung dar. Geduld wird im buddhistischen Zusammenhang als Gegenmittel zu Hass betrachtet (Tulku Lobsang). Es nimmt hier in der Übungsanweisung eine herausgestellte Position wahr. Warum? Weil Geduld uns gerade in emotional engen Situation (ob mit äußeren oder inneren „Feinden“) Zeit verschafft: Zeit und Raum für andere Handlungsmuster als solche, die sonst aus dem schnell und automatisiert reagierenden AP entstehen, die in solchen Situationen oft nur auf innere und äußere Eskalation drängt. Wenn man es schafft, eine unheilsame Emotion einige Minuten lang nicht durch unheilsame Gedanken anzufachen und zu vitalisieren, kann man sie leichter oder früher hinter sich lassen. Um Emotionen aufrecht zu erhalten, brauchen wir etwas, das sie anfacht – bei unheilsamen wie heilsamen Emotionen. Das bedeutet in diesem Zusammenhang, dass uns Geduld eine Lücke im automatisierten Verhalten der AP verschaffen kann, in der wir vielleicht einen heilsamen Gedanken hervorbringen, der nicht die inneren „Feinde“ weiter vitalisiert, sondern einen Ausstieg ermöglicht.