Thogme 37.25

Um der Diskussion ein wenig neuen Schwung zu verleihen: Seid erinnert, dass eine Reihenfolge nicht eingehalten werden muss. Kommentiert munter drauflos...

 

25. Wenn jemand, der Erleuchtung wünscht, sogar den eigenen Körper aufgeben muß, gibt es noch einen Grund, äußere Objekte zu erwähnen? Freigiebig ohne Hoffnung auf Lohn oder karmische Frucht zu sein ist die Übung der Bodhisattvas.

 

Ja, Thogme, gute Frage. Da wird alles Gequatsche überflüssig. Und klar: Freigiebig zu sein und dabei auf Lohn und karmische Frucht zu hoffen, ist keine Freigiebigkeit. Es ist im schlimmsten Fall Geschacher.

 

Warum aber sind wir dann überhaupt über Lohn und karmische Frucht informiert?

 

Durch das Wissen um karmische Frucht und Lohn wird die Sache für Geber erst wirklich schwierig. Denn nun müssen sie mit ihrer Haltung sehr eng navigieren. Sie dürfen sich durchaus über Lohn und Karmafrucht freuen, auch beides genießen, aber nicht erwarten. Das ist nicht einfach hinzukriegen in einer scheinbar linear und dual, gewiss aber polar gestalteten Welt.

 

Das Gold wird im Feuer geläutert.

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Kommentare: 2
  • #1

    Ruth Finder (Mittwoch, 07 Februar 2018 16:11)

    Zur Erheiterung eine Geschichte nach M. Buber:

    Ein Mann in Rabbi Sussjas Stadt sah, dass er sehr arm war, und legte ihm jeden Tag im Bethaus einen Zwanziger in den Tefellinbeutel, damit er sein und der Seinen leben zu fristen vermöchte. Seither wuchs der Wohlstand des Mannes von Mal zu Mal. Je mehr er besaß, um so mehr gab er an Sussja, und je mehr er ihm gab, um so mehr besaß er.

    Einmal besann er sich aber, dass Sussja ein Junger des großen Maggids war, und es geriet ihm in den Sinn: wenn schon die Gabe an den Schüler so vielfältig gelohnt werde, welch ein Reichtum würde über ihn kommen, wenn er den Meister selbst beschenkte. So fuhr er nach Mesritsch und erwirkte von Rabbi Bär mit vielen Bitten, dass er eine ansehnliche Gabe von ihm annahm.

    Von diesem Augenblick an schwand sein Wohlstand mehr und mehr, bis aller Gewinn der gesegneten Zeit dahin war. Da kam er in seiner Betrübnis zu Rabbi Sussja, erzählte ihm alles und befragte ihn, was dies sei: habe doch er selbst ihm gesagt, dass der Meister unmeßbar größer sei als er.

    Sussja antwortete ihm: "Sieh, solang du gabst und nicht hinsahst, wem du gibst, sondern Sussja war dir recht oder ein anderer, so lange gab auch Gott dir und sah nicht hin. Als du aber begannst, dir edle und auserlesene Empfänger zu suchen, tat Gott desgleichen."

  • #2

    TvB (Donnerstag, 08 Februar 2018 07:07)

    Sehr eng navigieren und dabei die größtmögliche innere Weite bewahren. Ja, nur große Weite macht enges Navigieren erst machbar. Oder: Größere Weite ermöglicht engeres Navigieren. Und umgekehrt. Damit hatte man der Linearität ganz klar ein Schnippchen geschlagen. Und aus in Extreme verfallender Dualität könnte ein weiter polarer Raum geschaffen werden.