Thogme 37.11

"Alles Leid - ohne Ausnahme - entspringt dem Wunsch nach eigenem Glück. Aus der Geisteshaltung, die auf das Wohl der anderen ausgerichtet ist, entsteht vollkommene Buddhaschaft. Eigenes Glück vollkommen einzutauschen gegen das Leid der Anderen ist die Übung der Bodhisattvas."

Ich möchte diese Übung anhand der folgenden Geschichte interpretieren.

Hinabsteigen

Rabbi Schlomo von Karlin sprach: "Wenn du einen Menschen aus Schlamm und Kot heben willst, wähne nicht, du könntest oben stehenbleiben und dich damit begnügen, ihm eine helfende Hand hinabzureichen. Ganz musst du hinab, in Schlamm und Kot hinein. Da fasse ihn dann mit starken Händen und holle ihn und dich ans Licht."

Das "konventionelle" Glück, dem man nachjagt, führt zur "Ellbogengesellschaft", zur Gleichgültigkeit, zur Selbstzufriedenheit, zur Einrichtung. Aber auch das Glück, das man empfindet, wenn man etwas erkannt hat, Gleichmut anstrebt, das durch das HS bestimmte Leben erlangt hat, führt  womöglich auch zum Leid bzw. vermindert es nicht, wenn man "oben stehen bleibt" - sprich, nicht so gewonnenes Glück mit anderen teilt. Und zwar durch Unterstützung, durch lehrende Aufklärung, durch die Haltung der liebenden Güte. Das ist nicht einfach! Wenn man das doch macht ("hinabsteigt"), verwickelt man sich dabei unter Umständen wieder ("Ganz musst du hinab, in Schlamm und Kot hinein.") Aber eben durch die bestehende geistige Stärke ("starke Hände") gibt es Möglichkeit, zusammen mit anderen zu wachsen und weiter zu kommen ("ans Licht" treten).

(Ruth Finder)

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