Thogme 37.06

6. Wenn man sich dem spirituellen Freund anvertraut, schwinden die Übel, und gute Eigenschaften wachsen wie der zunehmende Mond. Den wahren spirituellen Freund mehr zu schätzen als selbst den eigenen Körper ist die Übung der Bodhisattvas.


Man könnte auch sagen, durch Weg-Arbeit werden die Übel weniger und die guten Eigenschaften mehr. Wahre Weg-Arbeit bedeutet, mit wachsendem Bewusstsein und daraus resultierender Freude, die AP auch gegen ihre Widerstände zu disziplinieren und immer mehr das Höhere Selbst auszudrücken.

 

(Ruth Gabriel)

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Kommentare: 3
  • #1

    Clemens (Mittwoch, 31 Januar 2018 19:09)

    Cool! Das HS als "Spiritueller Freund" gesehen. Da wächst die Freude gleich nochmal...

  • #2

    Jonas (Donnerstag, 01 Februar 2018 07:57)

    Aus eigener Erfahrung: Spirituelle Freunde sind das Kostbarste und Wertvollste, das man auf dieser Ebene gewinnen kann. Im Gegensatz zu materiellen Dingen, die wir nicht mitnehmen können, ist die Verbindung mit unseren Freuden, die gemeinsame Schau, unvergänglich und dauerhaft, sie ist wahrhaftig.
    Der angeführte Vergleich mit dem eigenen Körper, den man weniger wichtig erachtet als die spirituellen Freunde, scheint mir nicht übertrieben.

  • #3

    Maria (Freitag, 02 Februar 2018 15:27)

    Ergänzend zu den anderen Kommentaren erscheint mir bei dieser Übung des Bodhisattvas der Aspekt des Vertrauens herausragend. Er bedeutet neben der aktiven Eigenarbeit auch ein sich Überlassen und Öffnen - sich selbst (Erkennen und Annehmen seiner Defizite) und dem Anderen (Vertrauen in sein Gut-Sein) gegenüber. Dieses Hingeben (Vertrauen) an den spirituellen Freund könnte man als das Pendant zur absoluten Hingabe an Gott verstehen, ist doch in jedem von uns Gott immer präsent.

    Nur durch die Verwechslung mit der AP und dem eigenen (materiellen) Körper entsteht die Blindheit an diesem Punkt (Misstrauen): a) unserem wahren und Höheren Selbst gegenüber, weil wir animalischen Impulsen und Identifikationen der AP folgen, und b) dem anderen gegenüber, den wir dadurch für eine potentielle Bedrohung halten.

    Trotz der Ausrichtung auf die spirituelle Entwicklung und die Wegarbeit sind wir lange nicht frei von Identifikationen der AP oder Absackern in die animalische Ebene, vielleicht finden sie dann über längere Strecken nur wesentlich subtiler, anders oder etwas weniger statt. Aus der Isolation und Identifikation der Alltagspersönlichkeit, dem sich eben gerade nicht mit spirituellen Freunden zu verbinden, kann trotz der Nähe zur Gemeinschaft, trotz sehr günstiger Rahmenbedingungen nicht der positive Effekt für beide Seiten erwachsen, der eigentlich möglich wäre, wenn Vertrauen nicht da ist. So können AP-Aspekte lange unheilsam in die Gemeinschaft hineinwirken und heilsame karmische Verbindungen erschweren. Neid und Eifersucht auf spirituelle Fortschritte anderer und die Angst, schlechter zu sein oder der Wunsch, schnellere Fortschritte (als andere) zu haben, sind vielen da nicht unbekannt.

    Vertrauen in diesem Zusammenhang verweist auf die Verbindung jenseits der AP: Wenn wir uns dem spirituellen Freund anvertrauen, sollte das vom (eigenen) Höherem Selbst zum (anderen) Höheren Selbst erfolgen. Vertraut sich uns ein spiritueller Freund, gilt gleiches. Die Verantwortung liegt gleichermaßen für uns darin, immer mehr auf dieser Ebene Bezug zum spirituellen Freund zu nehmen, egal ob wir eigenen AP-Stürmen unterworfen oder mit denen eines Weggefährten konfrontiert sind. Auch hier gilt es den Weg zu beschreiten. Das wird aber unterstützt durch die Tatsache, dass die Nähe zwischen HS und HS aufgrund der Ebene schon wesentlich größer ist als auf der AP-Ebene, wo noch eine enorme Trennung vorherrscht.

    Vertrauen in diesem Zusammenfang erfordert in „brenzligen Situationen“ immer wieder eine Entscheidung, eine Ausrichtung hin auf das Ziel, die spirituelle Befreiung. Das kann in manchen Situationen eine schwierige Entscheidung sein. Sie wird jedoch leichter, wenn wir uns nicht schwankend verhalten, sondern unsere Hinwendung zur Wegarbeit immer wieder, gerade in „brenzligen Situationen“ bekräftigen. Auf der Ebene der AP gibt es keine Erlösung, nur den sicheren Tod und ein langes Leiden. In der Hinwendung zum DU (Gemeinschaft, Gott) liegt die Heilung all unserer Leiden.