37 Übungen II

Thogme schreibt:

 

4. Bedenkt: von geliebten Freunden, mit denen ihr lange euer Leben geteilt habt, werdet ihr getrennt. Reichtum und Besitztümer, unter Mühen erworben, werden zurückbleiben. Das Bewußtsein verläßt den Körper, in dem es zu Gast war. Das Anhaften an dieses Leben aufzugeben ist die Übung der Bodhisattvas.

 

Hier klingt vor allem eine Übung an, die man "Reduktion auf das Bewußtsein" nennen kann. Es geht nicht darum, dass wir unsere geliebten Freunde verlieren werden. Alle Verbindungen auf spiritueller Ebene bleiben bestehen und werden sogar immer enger werden. Und dabei nicht vergessen: Spirituell verbunden sind wir mit allen Menschen und Wesen, mit denen wir auf unserem Weg durch die Trennungswelten überhaupt je zu tun hatten - also sogar mit unseren schlimmsten Feinden (oder denen, die sich dafür halten/hielten, oder die wir dafür halten/hielten).

 

Es geht um das Loslassen von Formaspekten. Also beispielsweise Besitztümern. Oder des Zustandes des Reichseins (aber ebenso des Zustandes des Armseins!).

 

Dann um das Loslassen "geliebter Freunde" - ebenso bezogen auf Formaspekte. Ihren (der Freunde) speziellen raumzeitlichen Ausdruck. Keineswegs um die Freunde selbst! Der reiche Sportler, der jetzt mein bester Kumpel ist, kann sich ja schon in diesem Leben recht schnell in einen armen Krüppel verwandeln. Wieviel mehr mag er in weiteren Leben verwandelt sein - und wenn wir am Äußeren hängen, dann werden wir ihn nicht erkennen können.

 

Und der "geliebteste" Freund der AP ist darüber hinaus... Die AP!

 

Auch ihre Formaspekte, ihren spezifischen Ausdruck, müssen wir loslassen (lernen).

 

Ebenso wie bei der Übung der "Lücke", bei der wir versuchen, die Lücke zwischen den gedanklich-emotionalen Egoimpulsen zu erkennen und zu weiten, und dort unser Selbst, unser Bewusstsein, unsere Bewusstheit hinter dem AP-Ausdruck zu erkennen und kennenzulernen, können wir in der Übung der "Reduktion auf das Bewußtsein" selbst unsere Formaspekte, unseren spezifischen raumzeitlichen Ausdruck (eigentlich müsste man "Ausdrucke" sagen - oder eben zusammenfassend "Ausdrucksformen") sukzessive erkennen und loslassen.

 

Dabei können wir dann merken, dass wir all das nicht sind, und dass wir trotzdem nicht weniger werden. Eher reiner und freier! Und wie groß und weit wir (bei aller Demut) eigentlich sind.

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